Spatz
EN
Tierwissen
Veterinarian and volunteers caring for a dog during a check-up at a clinic

Abmagerung

Abmagerung bezeichnet den sichtbaren, starken Verlust von Muskeln und Körperfett bei einem Haustier, meist Zeichen einer Grunderkrankung oder Mangelernährung, die tierärztliche Hilfe erfordert.

Abmagerung bedeutet, dass ein Tier so viel Muskelmasse und Körperfett verloren hat, dass Knochen wie Rippen, Wirbelsäule und Hüfte deutlich sichtbar oder unter der Haut zu ertasten sind, ganz ohne schützende Polsterung. Das ist etwas anderes als „ein bisschen zu dünn". Tierärztinnen und Tierärzte beurteilen das mit einer standardisierten 9-Punkte-Skala für den Ernährungszustand (Body Condition Score), bei der 4 oder 5 als ideal gelten und 1 für extreme Abmagerung steht: Rippen, Wirbelsäule und Beckenknochen treten deutlich hervor, Fett- oder Muskelgewebe ist praktisch nicht mehr vorhanden. Wird dieser niedrige Wert erreicht, hat der Körper meist schon länger von der Substanz gelebt, zuerst wurden die Fettreserven verbrannt, dann die eigene Muskulatur abgebaut, um zu überleben.

Ein leerer Napf ist nicht immer die Ursache für Verhungern. Manchmal steckt anhaltende Vernachlässigung dahinter oder ein Tier ist verloren gegangen oder ausgesetzt worden, doch ebenso häufig liegt eine Grunderkrankung vor: starker Befall mit Darmparasiten, Zahnschmerzen, die das Fressen unmöglich machen, Nieren- oder Lebererkrankungen, Krebs, Diabetes oder jede andere Erkrankung, die chronisches Erbrechen, Durchfall oder Appetitlosigkeit verursacht. Eine Katze oder ein Hund kann durchaus fressen und trotzdem abmagern, wenn der Körper die aufgenommene Nahrung nicht richtig verwertet oder aufnimmt. Deshalb besteht die Aufgabe der Tierärztin oder des Tierarztes bei einem stark untergewichtigen Tier nicht einfach darin, es „aufzupäppeln", sondern herauszufinden, warum der Gewichtsverlust überhaupt eingetreten ist.

Auch der Weg zurück zur Gesundheit muss bei einem ausgehungerten Tier mit Vorsicht erfolgen. Wird zu viel und zu schnell gefüttert, kann das sogenannte Refeeding-Syndrom ausgelöst werden, eine gefährliche Verschiebung von Phosphor-, Kalium- und Magnesiumwerten im Körper, die auftritt, wenn ein lange auf Sparflamme laufender Stoffwechsel plötzlich wieder Nahrung verarbeiten muss. Dieses Phänomen ist aus der Humanmedizin gut dokumentiert und wird zunehmend auch bei Katzen und Hunden erkannt. Es kann bereits ein bis zwei Tage nach der ersten Nahrungsaufnahme auftreten und in schweren Fällen Herz und Blutzellen beeinträchtigen. Aus diesem Grund führen Tierärztinnen und Tierärzte die Fütterung in kleinen, schrittweise gesteigerten Mengen wieder ein und kontrollieren in den ersten Tagen der Genesung engmaschig die Blutwerte, statt ein ausgehungertes Tier frei fressen zu lassen.

Folgende Warnzeichen bedeuten, dass ein Tier umgehend tierärztlich untersucht werden sollte:

  • Rippen, Wirbelsäule oder Hüftknochen sind sichtbar oder deutlich unter der Haut zu ertasten
  • Auffälliger Muskelschwund an Rücken, Schultern oder Hinterhand
  • Mattigkeit, Schwäche oder Kollaps
  • Verweigerung von Futter und Wasser, oder Fressen bei gleichzeitig fortschreitendem Gewichtsverlust
  • Stumpfes, lückenhaftes oder brüchiges Fell zusätzlich zum Gewichtsverlust

Wenn du auf ein stark abgemagertes Streunertier triffst oder dein eigenes Haustier dramatisch an Gewicht verloren hat, widerstehe dem Impuls, sofort eine große Mahlzeit anzubieten. Kleine Portionen und ein möglichst rascher Besuch bei der Tierärztin oder beim Tierarzt bieten die besten Chancen auf eine sichere Genesung und helfen dabei, die Ursache zu klären.