Spatz
EN
Tierwissen
Nahaufnahme eines schwarzen Hundes, der von einem Tierarzt mit Handschuhen untersucht wird.

Blasensteine

Blasensteine (Urolithen) sind harte Mineralklumpen in der Blase. Je nach Steinart reicht die Behandlung von speziellen Auflösungsdiäten bis hin zur Operation.

Auch bekannt als Blasensteine bei Hund und Katze, Harnsteine beim Hund, Urolithiasis bei Tieren, Struvitsteine, Calciumoxalatsteine, Harngrieß bei Katzen

Blasensteine, auch Urolithen genannt, sind harte Mineralklumpen, die sich in der Blase bilden, wenn bestimmte Stoffe im Urin zu konzentriert werden und statt gelöst zu bleiben, miteinander verklumpen und kristallisieren. Sie reichen von winzigen, sandkornartigen Partikeln bis zu glatten, murmelgroßen oder sogar noch größeren Steinen. Manche Tiere haben nur einen einzigen Stein, andere gleich mehrere auf einmal.

Die zwei häufigsten Steinarten bei Hund und Katze entstehen aus fast gegensätzlichen Ursachen, weshalb es auch keine einheitliche Behandlung für alle Fälle gibt. Struvitsteine bestehen aus Magnesium-Ammonium-Phosphat und entstehen meist infolge einer Harnwegsinfektion: Bestimmte Bakterien produzieren ein Enzym, das die Chemie des Urins so verändert, dass sich Struvitkristalle zusammenballen können. Bei Hunden ist der normale Urin leicht sauer, und solange er sauer und nicht zu konzentriert bleibt, bleibt Struvit gelöst. Wird der Urin jedoch zu konzentriert oder alkalisch (basisch), bilden sich Struvitkristalle. Die gute Nachricht: Struvitsteine lassen sich oft ohne Operation auflösen. Dazu wird die zugrunde liegende Harnwegsinfektion behandelt und gleichzeitig eine spezielle Auflösungsdiät gefüttert. Schnell geht das allerdings nicht: Die Ernährungstherapie wirkt, indem sie den pH-Wert des Urins verändert und den Mineralgehalt senkt, und dauert in der Regel sechs bis zwölf Wochen bei strikter Fütterung und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.

Calciumoxalatsteine verhalten sich ganz anders. Sie entstehen eher aus stoffwechselbedingten Gründen als durch eine Infektion und lassen sich leider nicht durch Futter auflösen. Calciumoxalat-, Urat-, Cystin- und Silikatsteine können nicht aufgelöst werden und müssen operativ entfernt werden. Bestimmte kleine Rassen scheinen anfälliger dafür zu sein: Zu den vorbelasteten Rassen zählen unter anderem Zwergschnauzer, Lhasa Apso, Bichon Frisé, Zwergspitz (Pomeranian), Shih Tzu, Malteser, Zwergpudel, Yorkshire Terrier und Chihuahua. Auch nach einer operativen Entfernung ist das Problem nicht automatisch dauerhaft gelöst: Halterinnen und Halter müssen die vorbeugende Diät konsequent einhalten und das Tier regelmäßig kontrollieren lassen, denn selbst dann bleibt die Rückfallquote bei Calciumoxalatsteinen hoch. Auch bei Katzen gibt es ein eigenes Muster: Mittlerweile macht Calciumoxalat neben Struvit einen großen Anteil der Blasensteine bei Katzen aus.

Unabhängig von der Steinart ähneln sich die Warnzeichen und lassen sich leicht mit einer einfachen Blasenentzündung verwechseln: Pressen beim Wasserlassen, blutig gefärbter Urin, häufige, aber erfolglose Gänge zur Katzentoilette oder nach draußen, sowie manchmal Schmerzlaute beim Urinieren. Genau wegen dieser Überschneidung muss die Tierärztin oder der Tierarzt vor der Behandlungsentscheidung Untersuchungen wie Blutbild, Urinuntersuchung und bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall durchführen, denn die richtige Behandlung hängt vollständig von Steinart, Größe und davon ab, ob die Harnröhre verstopft ist. Eine verstopfte Harnröhre, besonders bei Katern, ist ein echter Notfall, der sofortige tierärztliche Hilfe erfordert und kein Abwarten erlaubt.

Ratgeber zu diesem Thema