Spatz
EN
Tierwissen
Alpakas stehen auf einer sonnigen Weide nahe einer Scheune

C3-Magengeschwüre

C3-Geschwüre sind wunde Stellen im dritten Magenabschnitt von Alpakas und Lamas: schmerzhaft, leicht zu übersehen und meist ein Zeichen dafür, dass noch etwas anderes nicht stimmt.

Alpakas und Lamas verdauen ihr Futter in einem Magen, der in drei Abschnitte gegliedert ist: C1, C2 und C3. In den ersten beiden wird Rohfaser vergoren, ähnlich wie im Pansen einer Kuh. C3 ist der letzte und schmalste Abschnitt. Er produziert Magensäure und übernimmt damit die Aufgabe, die bei Hund oder Mensch der Magen erledigt. Löst sich die Schleimhaut in diesem Abschnitt auf, entstehen wunde, offene Stellen, die Tierärztinnen und Tierärzte als C3-Ulzera (Geschwüre im dritten Magenabschnitt) bezeichnen. Untersuchungen an verstorbenen Alpakas zeigen, dass solche Geschwüre deutlich häufiger in C3 auftreten als in C1 oder C2, daher auch der spezifische Name.

Diese Geschwüre treten selten bei einem ansonsten gesunden Tier auf. In untersuchten Fällen waren die betroffenen Kamelide meist bereits ernsthaft an etwas anderem erkrankt, und die Geschwüre erschienen eher als Folge dieser Grunderkrankung denn als eigenständiges Problem. Alles, was den Appetit unterdrückt, Schmerzen verursacht oder Stress erzeugt, kann das empfindliche Gleichgewicht in C3 kippen. Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer (NSAR) gelten dabei art­übergreifend als anerkannter Risikofaktor. C3-Geschwüre sind also fast mehr ein Warnsignal als eine eigenständige Diagnose.

Das Schwierige daran: Sie sind kaum zu erkennen. Beschriebene Anzeichen bei Lamas und Alpakas reichen von leichten bis schweren Koliken bis hin zu einfacher Futterverweigerung, und sowohl das klinische Bild als auch die Blutwerte sind oft zu unklar, um eindeutig auf C3-Geschwüre hinzuweisen. Die Diagnose zu Lebzeiten erfolgt größtenteils durch Ausschluss anderer Ursachen, bei manchen Tieren werden die Geschwüre erst nach dem Tod bestätigt. Folgendes solltest du deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt melden:

  • weniger, langsamer oder gar kein Fressen mehr, besonders bei Kraftfutter
  • Zähneknirschen oder eine gekrümmte, angespannte Körperhaltung
  • Unruhe, die auf Bauchschmerzen hindeutet: wiederholtes Hinlegen und Aufstehen, Wälzen, Treten gegen die Flanke
  • Mattigkeit, Rückzug von der Herde oder eine schlechtere Vliesqualität
  • allmählicher Gewichtsverlust oder sehr dunkler, teeriger Kot

Keines dieser Anzeichen ist spezifisch für C3-Geschwüre, gerade deshalb verdienen sie eine gründliche Untersuchung statt einer abwartenden Woche. Eine mit Kameliden erfahrene Tierärztin oder ein erfahrener Tierarzt wird neben dem Geschwür auch nach der zugrunde liegenden Erkrankung suchen, denn wird nur eines von beiden behandelt, schlägt die Therapie meist fehl.

Auch auf Magenmedikamente reagieren Kamelide anders als Menschen. Die älteren Säureblocker Cimetidin und Ranitidin, aus der Humanmedizin bekannt, hemmen die Säureproduktion in C3 nicht lange genug, um bei Lamas und Alpakas zuverlässig zu wirken. Injizierbare Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol hingegen konnten den pH-Wert in C3 nachweislich anheben. Die Wahl des Medikaments, die Dosierung und der Verabreichungsweg gehören in die Hände deiner Tierärztin oder deines Tierarztes, dieser Beitrag dient nur als allgemeine Orientierung und ersetzt keinen Behandlungsplan. Wenn du Alpakas oder Lamas hältst, ist das Wichtigste, das normale Fressverhalten und Wesen deiner Tiere so gut zu kennen, dass dir auffällt, wenn eines still und leise nicht mehr es selbst ist.