
E.-mac-Kokzidiose
E. mac (Eimeria macusaniensis) ist ein gefährlicher Kokzidien-Parasit bei Alpakas, Lamas und anderen Kameliden jeden Alters. Er schädigt die Darmschleimhaut und verursacht Gewichtsverlust, Eiweißverlust und mitunter den Tod.
Auch bekannt als Eimeria macusaniensis, Kameliden-Kokzidiose, E.-mac-Infektion, Kokzidiose bei Alpakas
E. mac ist die Kurzform für Eimeria macusaniensis, einen einzelligen Parasiten, der im Darm von neuweltlichen Kameliden lebt: Alpakas, Lamas, Guanakos und Vikunjas. Kameliden tragen mehrere Arten von Kokzidien in sich, so nennt man diese Parasitengruppe, und die meisten davon machen einem gesunden erwachsenen Tier kaum zu schaffen. E. mac ist die Ausnahme. Der Erreger siedelt sich in der Darmschleimhaut an, besonders im Bereich des Ileums (dem letzten Abschnitt des Dünndarms), und zerstört dort die Zellen. Ein betroffenes Tier verliert dadurch Nährstoffe und Bluteiweiß über die geschädigte Darmwand, selbst wenn es noch frisst. Die Ansteckung erfolgt über verschluckte Oozysten, widerstandsfähige eiähnliche Dauerformen, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Sie brauchen eine gewisse Zeit außerhalb des Körpers, bevor sie ansteckungsfähig werden, können dann aber noch lange auf Weide, Futter und im Wasser überleben.
Was E. mac von den kleineren Kokzidienarten der Kameliden unterscheidet: Er betrifft keineswegs nur Jungtiere. Früher galt er vor allem als Problem bei Crias (jungen Alpakas oder Lamas), heute weiß man, dass er in jedem Lebensalter Krankheit und Todesfälle auslösen kann. Das zeigt auch eine Fallserie mit 15 Lamas und 34 Alpakas, veröffentlicht im Journal of the American Veterinary Medical Association. Selbst bei Behandlung wurde eine Sterblichkeit von bis zu 50 Prozent beschrieben, und die Erkrankung kann sich schon Wochen bevor überhaupt Oozysten im Kot nachweisbar sind, ernsthaft festsetzen. Das bedeutet: Eine einzelne unauffällige Kotuntersuchung schließt die Krankheit nicht aus. Bei manchen Kameliden wurde anhaltender Gewichtsverlust beobachtet, ohne dass je Oozysten in der Flotation nachgewiesen werden konnten, bevor die Tiere starben. Deshalb wiederholen Tierärztinnen und Tierärzte die Untersuchung oft, wenn es einem Tier ohne erkennbaren Grund schlecht geht.
Gründe, ein Kamelid zeitnah tierärztlich vorzustellen:
- Verlust von Kondition oder Gewicht trotz normalem Appetit
- Mattigkeit, Ruhigsein oder Verweigern des Futters
- weicher Kot oder Durchfall, oder Anzeichen von Bauchschmerzen wie wiederholtes Hinlegen und Aufstehen
- flüssigkeitsbedingte Schwellungen unter dem Kiefer oder entlang des Bauches, die auf einen niedrigen Bluteiweißspiegel hindeuten können
- ein plötzlicher Todesfall in der Herde, was Grund genug ist, den Rest der Tiere untersuchen zu lassen
Diagnose und Behandlung
Tierärztinnen und Tierärzte weisen E. mac durch den Nachweis der Oozysten in der Kotuntersuchung nach. Diese sind ungewöhnlich groß und dicht, daher braucht das Labor eine ausreichend konzentrierte Flotationslösung, damit sie überhaupt aufschwimmen. Häufig zeigt auch eine Blutuntersuchung ein erniedrigtes Eiweiß infolge der Darmschädigung. Ist der Parasit bestätigt, beschreibt das Merck Veterinary Manual eine Behandlung mit dem Kokzidienmittel Ponazuril, gefolgt von einer Sulfonamid-Antibiotikakur. Verwandte Triazin-Wirkstoffe wie Toltrazuril wirken auf dieselben Entwicklungsstadien des Parasiten und kommen bei anderen Tierarten gegen Kokzidiose zum Einsatz. Welche Präparate für Kameliden zugelassen sind und wie sie verschrieben werden dürfen, ist von Land zu Land unterschiedlich, zudem erfolgt der Einsatz häufig außerhalb der eigentlichen Zulassung (sogenannter Off-Label-Use). Diese Entscheidung gehört daher in die Hände deiner Tierärztin oder deines Tierarztes und nicht in Eigenregie. Kranke Tiere brauchen neben dem Medikament oft auch Flüssigkeitszufuhr, Pflege und Unterstützung bei der Ernährung.
Die tägliche Betreuung ist mindestens so wichtig wie die Medikamentengabe. Überbelegung und schlechter Ernährungszustand gehen mit einer höheren Kokzidienbelastung einher. Eine vernünftige Besatzdichte, Füttern nicht vom Boden, sauberes Wasser und zügiges Entfernen von Kot verringern die Belastung, während das Immunsystem der Tiere sich entwickelt. Auch Stress rund um das Absetzen, Transporte und die Geburt scheint das Risiko zu erhöhen, weshalb es sich lohnt, diese Übergänge möglichst schonend zu gestalten. Neuzugänge solltest du eher in Quarantäne mit wiederholten Kotuntersuchungen über mehrere Wochen beobachten, statt dich auf eine einzelne unauffällige Probe zu verlassen. Auch die Behandlung sollte sich an Testergebnissen orientieren, statt die ganze Herde routinemäßig zu behandeln.
Dies sind allgemeine Informationen. Verliert ein Kamelid in deiner Obhut an Kondition oder hat es Durchfall, ist eine Tierärztin oder ein Tierarzt mit Kameliden-Erfahrung der richtige nächste Schritt.