
Flugreisen mit Tieren
Praktische Hinweise zum sicheren Fliegen mit Haustieren: Atemprobleme bei kurznasigen Rassen, Risiken der Sedierung, sichere Transportboxen und die richtige Vorbereitung vor dem Flug.
Auch bekannt als Fliegen mit Haustieren, Flugreise mit Hund und Katze, Haustier im Flugzeug, Tiertransport im Flugzeug, Hund im Flugzeug mitnehmen, Katze im Flugzeug mitnehmen
Ein Flug mit einem Haustier ist mehr als nur ein zusätzlicher Sitzplatz oder ein Platz im Frachtraum. Ob ein Tier den Flug gut übersteht, hängt von Tierart, Rasse, Alter, Gesundheitszustand und der Planung der Reise ab. Dabei entstehen körperliche Belastungen, an die viele Halterinnen und Halter erst denken, wenn sie schon am Check-in-Schalter stehen.
Die größte Sorge aus tierärztlicher Sicht betrifft die Atmung. Kurznasige Rassen wie Möpse, Französische Bulldoggen, Bulldoggen, Perserkatzen und andere brachyzephale Tiere (also Tiere mit verkürztem Schädel und dadurch verengten Atemwegen) haben ohnehin schon engere Atemwege als andere Tiere. Der US-Tierärzteverband AVMA weist darauf hin, dass brachyzephale Haustiere wie Möpse oder Perser bei Reisen, besonders bei Flugreisen, ein höheres Risiko für Überhitzung und Atemprobleme haben. Stress, warme Temperaturen und die beengte, weniger überwachte Umgebung im Frachtraum können ohnehin schon eingeschränkte Atemwege endgültig überlasten. Aus diesem Grund haben viele Fluggesellschaften diese Rassen für den Transport als Frachtgut komplett ausgeschlossen, da das Risiko gesundheitlicher Komplikationen zu hoch ist. American Airlines etwa nennt ausdrücklich Atemprobleme als Grund. Selbst in der Kabine können Hitze und Angst die Atmung verschlechtern, weshalb viele Airlines brachyzephale Tiere inzwischen einschränken oder ganz ablehnen. Die Regelungen unterscheiden sich dabei von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft erheblich.
Auch Sedierung ist ein Thema, bei dem gute Absichten nach hinten losgehen können. Es erscheint naheliegend, ein ängstliches Tier mit einem Beruhigungsmittel ruhigzustellen, doch die AVMA rät ausdrücklich davon ab: Sedierte oder betäubte Tiere haben in großer Flughöhe ein erhöhtes Risiko für Atem- und Herz-Kreislauf-Probleme. Die meisten großen Fluggesellschaften folgen dieser Empfehlung inzwischen und nehmen sedierte Tiere gar nicht erst zur Beförderung an. Wenn dein Tier ängstlich reagiert, ist es daher sicherer, rechtzeitig vor der Reise mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt über beruhigende Maßnahmen ohne Medikamente zu sprechen.
Daneben gibt es ganz praktische Punkte, die für die Sicherheit deines Tieres entscheidend sind. Die Transportbox selbst spielt eine größere Rolle, als viele annehmen: Schlechte Belüftung ist ein zentrales Problem, und defekte oder mangelhafte Boxen sind die häufigste Ursache dafür, dass Tiere während des Fluges entkommen oder sich verletzen. Auch die Temperatur ist streng geregelt. Nach dem US-amerikanischen Tierschutzgesetz (Animal Welfare Act) darf die Temperatur in Warteräumen für Hunde und Katzen beim Transport zum oder vom Verladebereich nicht länger als 45 Minuten unter 7 °C fallen. Wichtig zu wissen: Für Tiere, die in der Kabine mitreisen, gelten diese Schutzvorschriften nicht. Hier liegt es an dir als Halterin oder Halter, dafür zu sorgen, dass es deinem Tier nicht zu heiß oder zu kalt wird.
Vor jedem Flug solltest du folgende Punkte mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt und der Fluggesellschaft klären:
- Ob eine Flugreise angesichts von Alter, Gesundheitszustand oder Wesen deines Tieres überhaupt sinnvoll ist, denn manche Tiere kommen mit Reisen aufgrund von Krankheit, Verletzung, Temperament oder anderen Faktoren schlecht zurecht
- Gesundheitszeugnisse und Unterlagen, da die meisten Fluggesellschaften und Zielländer eine von einer Behörde oder Tierärztin bzw. Tierarzt ausgestellte Bescheinigung innerhalb eines festgelegten Zeitraums vor dem Abflug verlangen
- Die jeweiligen Vorgaben der Fluggesellschaft zu Rasse, Gewicht und Transportbox, da sich diese zwischen den Airlines deutlich unterscheiden und Annahmen hier schnell zum Problem werden können
- Den richtigen Zeitpunkt für den Flug, denn ein Nonstop-Flug und, in den warmen Monaten, ein früher Vormittags- oder Abendflug helfen, Hitzestress zu vermeiden
All das bedeutet nicht, dass Fliegen für die meisten gesunden Tiere grundsätzlich unsicher ist. Es zeigt aber, dass die Risiken ungleich verteilt sind: Brachyzephale Rassen tragen ein deutlich höheres Risiko, und die Details, die in den Wochen vor der Abreise geklärt werden, also Unterlagen, die Wahl der richtigen Transportbox, der passende Zeitpunkt und ein offenes Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt darüber, ob die Reise für genau dieses Tier geeignet ist, sind letztlich das, was dein Haustier in der Luft wirklich sicher macht.