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Tierwissen
Zwei Katzen, die spielerisch auf einem felsigen Untergrund interagieren

Harnsteine

Urolithiasis bezeichnet die Bildung von Harnsteinen im Harntrakt von Hund und Katze. Sie können die Blase reizen oder den Harnabfluss blockieren und erfordern je nach Steinart unterschiedliche Behandlung.

Auch bekannt als Harnsteine, Blasensteine, Harnkonkremente, Nierensteine, Harngries

Urolithiasis ist der medizinische Fachbegriff für Steine, die sich irgendwo im Harntrakt bilden, am häufigsten in der Blase, manchmal aber auch in der Niere, im Harnleiter (der Verbindung zwischen Niere und Blase) oder in der Harnröhre (die den Urin nach außen ableitet). Diese Steine werden Uroliten genannt und entstehen, wenn Mineralstoffe, die normalerweise im Urin gelöst sind, sich zu festen Klumpen zusammenballen. Sie reichen von sandkorngroßen Partikeln bis zu mehrere Zentimeter großen Steinen, und ein Tier kann einen einzelnen oder gleich mehrere Dutzend davon haben.

Steine sind nicht dasselbe wie Kristalle. Mikroskopisch kleine Kristalle im Urin (Kristallurie) kommen häufig vor und sind für sich genommen meist harmlos, besonders bei Katzen. Steine dagegen sind das größere, sichtbare Problem: Sie reizen die Blasenwand oder verlegen den Harnabfluss, und genau das macht aus einer unangenehmen Erkrankung im schlimmsten Fall einen Notfall.

Die beiden häufigsten Steinarten bei Hunden und Katzen sind Struvit (bestehend aus Magnesium, Ammonium und Phosphat) und Kalziumoxalat, und zusammen machen sie den Großteil aller Fälle bei beiden Tierarten aus. Die Unterscheidung ist entscheidend für die Behandlung: Struvitsteine lassen sich meist mit einer speziellen Diät auflösen, oft innerhalb weniger Wochen bis zu zwei Monaten, während sich Kalziumoxalatsteine überhaupt nicht auflösen lassen und bei Beschwerden operativ oder anderweitig entfernt werden müssen. Bei Hunden hängen Struvitsteine typischerweise mit einer Harnwegsinfektion zusammen, bei der Bakterien die Zusammensetzung des Urins verändern. Die Behandlung besteht dann meist aus einer Kombination von Diät und Antibiotika. Bei Katzen bildet sich Struvit dagegen häufiger ganz ohne begleitende Infektion. Seltenere Steinarten wie Urat- und Zystinsteine treten stark rasseabhängig auf, allen voran Uratsteine beim Dalmatiner, bei dem eine erblich bedingte Besonderheit im Harnsäurestoffwechsel die Steinbildung begünstigt. Da sich die Steinart nicht zuverlässig allein am Aussehen bestimmen lässt, schicken Tierärztinnen und Tierärzte entfernte Steine zur Laboranalyse ein, denn nur so lässt sich eine wirksame langfristige Vorbeugung planen.

Anzeichen und wann es dringend wird

Steine sehen in ihren Symptomen oft wie eine hartnäckige Harnwegsinfektion aus. Achte auf:

  • Häufiges Harnabsetzen, oft nur in kleinen Mengen oder Tropfen
  • Pressen oder Schmerzlaute beim Versuch, Urin abzusetzen
  • Blut im Urin oder rosa bis bräunlich verfärbter Urin
  • "Unfälle" in der Wohnung oder eine Katze, die die Toilette außerhalb des Katzenklos aufsucht
  • Antriebslosigkeit oder Appetitverlust, besonders in Kombination mit Bauchschmerzen

Presst dein Tier wiederholt und setzt dabei nichts oder kaum etwas ab, muss es sofort tierärztlich untersucht werden, nicht erst morgen. Bei einer vollständigen Verstopfung können Abfallstoffe und Kalium nicht mehr aus dem Blut abgeleitet werden, und eine vollständige Blockade kann innerhalb von ein bis zwei Tagen zu einer lebensbedrohlichen Anhäufung von Giftstoffen im Körper führen. Das kommt bei Katern deutlich häufiger vor, da ihre Harnröhre enger ist, und gilt in der Kleintierpraxis als einer der echten Notfälle. Werden betroffene Katzen rechtzeitig behandelt, stehen die Überlebenschancen gut, auch wenn die Blockade bei einem nennenswerten Teil der Tiere später erneut auftreten kann.

Die Behandlung richtet sich nach Steinart, Lage und Größe. Übereinstimmende Empfehlungen von Fachärztinnen und Fachärzten der veterinärmedizinischen Inneren Medizin sprechen dafür, Struvitsteine mit Diät aufzulösen und eine zugrunde liegende Infektion mitzubehandeln, und bei anderen Steinen die am wenigsten belastende verfügbare Methode zu wählen, etwa das Herausspülen kleiner Steine oder ihre Entfernung mittels Endoskop, statt von vornherein auf eine offene Operation zu setzen. Steine, die keine Beschwerden verursachen und zu groß sind, um in die Harnröhre zu gelangen, können mitunter einfach über die Zeit beobachtet werden. Danach steht die Vorbeugung im Vordergrund: Der Urin sollte möglichst verdünnt bleiben, denn eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme senkt das Risiko einer erneuten oder erstmaligen Steinbildung. Meist wird dazu eine feuchtigkeitsreiche oder spezielle Harndiät verordnet, ergänzt durch regelmäßige Urinkontrollen oder Bildgebung, da einige Steinarten häufig wiederkehren. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt kann am besten einschätzen, welcher Behandlungsplan zur konkreten Steinart deines Tieres passt.