
Hochpathogene Aviäre Influenza
Die hochpathogene Vogelgrippe, vor allem H5N1, ist ein von Wildvögeln verbreitetes Virus, das bei Katzen schwer und oft tödlich verlaufen kann und gelegentlich auch Hunde und andere Säugetiere befällt.
Auch bekannt als Vogelgrippe, Aviäre Influenza, H5N1, Geflügelpest
Vogelgrippe, auch Aviäre Influenza genannt, ist ein Grippevirus, das natürlicherweise bei Wasservögeln und Watvögeln vorkommt. Die meisten dieser Vögel tragen das Virus in sich, ohne krank zu werden. Genau so gelangt der Erreger über Zugrouten in neue Regionen und zu neuen Tierarten. „Hochpathogen“ beschreibt, wie schwer eine Virusvariante bei Geflügel verläuft, wo sie sich rasant ausbreiten und große Bestände dahinraffen kann. Derzeit steht die Variante H5N1 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Seit 2020 hat sich ein Zweig davon, den Fachleute als Klade 2.3.4.4b bezeichnen, über mehrere Kontinente ausgebreitet und immer mehr Säugetiere erreicht, darunter Milchkühe in den USA seit 2024.
Für Halterinnen und Halter zählt vor allem eines: was passiert, wenn das Virus eine Katze erreicht. Katzen sind ungewöhnlich anfällig für einen schweren Verlauf mit H5N1. Das Cornell Feline Health Center gibt an, dass bis zu 70 % der infizierten Katzen sterben. Die Erkrankung beginnt häufig mit Fieber, Appetitlosigkeit und Mattigkeit und kann sich rasch verschlimmern: starker Ausfluss aus Augen und Nase, Atemnot sowie neurologische Symptome wie Gangunsicherheit, Kreisbewegungen, Zittern, Krampfanfälle oder Erblindung. Weil diese neurologischen Anzeichen der Tollwut ähneln, wird deine Tierärztin oder dein Tierarzt diese in der Regel zunächst ausschließen. Auch Hunde können sich anstecken, allerdings scheint das selten zu sein, und die bislang gemeldeten Fälle verliefen meist mit milderen Atemwegssymptomen statt der schweren Erkrankung, wie sie bei Katzen auftritt.
Katzen infizieren sich meist über die Nahrung und nicht durch Einatmen des Virus. Untersuchungen haben Katzeninfektionen wiederholt auf rohes Geflügel sowie auf rohe, nicht pasteurisierte Milch oder Kolostrum (die erste Muttermilch) zurückgeführt, darunter ein Fall mit auf dem Markt gekaufter Milch, der zum Tod zweier Katzen führte und bei dem später Virus im Urin der überlebenden Katze nachgewiesen wurde. Auch handelsübliches rohes oder gefrorenes Katzenfutter wurde bereits mit Katzentodesfällen in Verbindung gebracht, ebenso das Jagen oder Fressen toter Wildvögel. Eine Übertragung von Katze zu Katze ist bislang nicht eindeutig belegt, und das Risiko für Menschen gilt allgemein als sehr gering. Ein dokumentierter Fall, in dem sich eine Person in der Tiermedizin bei einer Katze angesteckt hat, zeigt jedoch, dass es nicht ausgeschlossen ist, besonders bei engem, ungeschütztem Kontakt mit einem kranken Tier. Deshalb ist es keine Übertriebenheit, sondern schlicht sinnvoll, beim Umgang mit rohem Futter oder einem kranken Tier die Hände zu waschen und Handschuhe zu tragen.
Das Risiko senken
Am wirksamsten schützt du dein Tier, indem du auf rohes Geflügel, rohes Fleisch und nicht pasteurisierte Milch oder Milchprodukte verzichtest und verhinderst, dass dein Tier tote Vögel oder Wildtiere frisst. Die Empfehlungen von Cornell raten außerdem dazu, Katzen im Haus zu halten und von Nutztieren, Geflügel und deren Umgebung fernzuhalten sowie sich nach Kontakt mit Vögeln, Nutztieren oder Orten, an denen diese sich versammeln, die Hände zu waschen und Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen H5N1 für Katzen, auch wenn Forschende in Studien mit experimentellen Impfstoffen erste Erfolge beim Schutz von Katzen berichtet haben. Bis dahin bleibt die Vermeidung von Kontakt der wichtigste Schutz, den Halterinnen und Halter selbst in der Hand haben.
Wie Ausbrüche erfasst und den Behörden gemeldet werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. Wenn du Geflügel hältst oder in der Nähe betroffener Betriebe wohnst, informiere dich am besten über die örtlichen Regelungen. Hat deine Katze rohes Geflügel, Rohmilch oder einen Wildvogel gefressen und wirkt anschließend krank, ruf vor dem Praxisbesuch in der Tierarztpraxis an und erwähne die mögliche Ansteckungsquelle, damit man sich dort entsprechend vorbereiten kann. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose: Entscheidungen zu Tests oder Behandlung gehören in die Hände deiner Tierärztin oder deines Tierarztes.