
Roter Magenwurm
Der Läusepansenwurm (Haemonchus contortus) ist ein blutsaugender Magenwurm bei Schafen, Ziegen und Alpakas, der schnell zu schwerer, mitunter tödlicher Blutarmut führen kann.
Auch bekannt als Läusepansenwurm, Haemonchus contortus
Der Läusepansenwurm, mit dem lateinischen Namen Haemonchus contortus, ist ein blutsaugender Rundwurm, der im Labmagen lebt, dem eigentlichen Magen von Schafen, Ziegen und Alpakas. Er setzt sich an der Magenschleimhaut fest und saugt Blut. Seinen Namen verdankt er dem Aussehen des Weibchens: Der weiße Fortpflanzungstrakt windet sich spiralförmig um den mit rotem Blut gefüllten Darm, sodass der Wurm gestreift aussieht wie eine alte Barbierstange. Ausgewachsene Weibchen werden 20 bis 30 mm lang und sind bei einer Obduktion mit bloßem Auge sichtbar. Bei einem lebenden Tier stellt man die Diagnose jedoch nicht durch das Auffinden der Würmer selbst, sondern anhand einer Kotprobe sowie einer Blut- oder Lidbindehautkontrolle.
Die Gefahr liegt in der schieren Menge. Ein einzelner Wurm entzieht dem Tier nur etwa 0,03 bis 0,05 ml Blut pro Tag, doch ein einziges Weibchen legt täglich Tausende Eier, sodass sich der Befall innerhalb weniger Wochen aufbaut. Ein Schaf mit mehreren Tausend Würmern kann täglich etwa 250 ml Blut verlieren. Das Tier blutet also innerlich, langsam und unbemerkt, weshalb sich die Erkrankung typischerweise als Blutarmut und nicht als Durchfall zeigt. Halterinnen und Halter, die Durchfall erwarten, übersehen die Infektion deshalb oft völlig.
Warnzeichen, auf die du achten solltest
- Blasses Zahnfleisch und blasse Bindehaut im Unterlid statt eines gesunden Rosatons
- Antriebslosigkeit, Zurückbleiben hinter der Herde oder Umfallen, wenn das Tier zügig bewegt wird
- Eine weiche, flüssigkeitsgefüllte Schwellung unter dem Kiefer, bekannt als Wasserkopf oder "Flaschenkiefer"
- Gewichtsverlust, schlechtes Wachstum bei Lämmern und Zicklein sowie nachlassende Woll- oder Fellqualität
- Plötzlicher Tod eines stark befallenen Tieres, das noch am Vortag unauffällig wirkte
Die Eier gelangen mit dem Kot nach draußen, schlüpfen auf der Weide und entwickeln sich zu infektiösen Larven, die deine Tiere beim Grasen aufnehmen. Warmes, feuchtes Wetter beschleunigt diesen Kreislauf, weshalb der Parasit in Regionen mit sommerlichen Niederschlägen und in besonders regenreichen Sommern am stärksten auftritt. In kühleren Klimazonen können Larven im Tier über den Winter ruhen und im Frühjahr sprunghaft ansteigen. Am stärksten gefährdet sind kürzlich abgesetzte Jungtiere sowie Mutterschafe und -ziegen rund um die Geburt, und eine schlechte Nährstoffversorgung verschlimmert den Krankheitsverlauf zusätzlich. Erwachsene Tiere entwickeln nie eine belastbare, dauerhafte Immunität, Alter allein bietet also keinen Schutz.
Bei der Bekämpfung ist man davon abgekommen, die gesamte Herde nach starrem Zeitplan zu entwurmen. Kotproben zur Eizahlbestimmung zeigen, wie stark eine Gruppe befallen ist, und Infektionen mit diesem Wurm führen typischerweise zu auffällig hohen Werten. Viele Tierärztinnen und Tierärzte nutzen zusätzlich die FAMACHA-Farbkarte, entwickelt an der Universität Pretoria in Südafrika. Sie bewertet die Farbe der Bindehaut im Unterlid auf einer Skala von 1 (rot, keine Blutarmut) bis 5 (weiß, schwere Blutarmut), sodass nur die Tiere behandelt werden, die es wirklich brauchen. Studien an Schafen und Ziegen im Süden der USA bestätigen die Zuverlässigkeit dieser Methode auf Betrieben, wo dieser Wurm das Hauptproblem darstellt. Der Grund für diese Zurückhaltung ist die Resistenzentwicklung: Würmer, die eine Behandlung überleben, geben diese Widerstandsfähigkeit weiter. Das Merck Veterinary Manual weist darauf hin, dass Resistenzen gegen Entwurmungsmittel bei kleinen Wiederkäuern mittlerweile weit verbreitet sind und selektive Behandlungsstrategien empfohlen werden, um diese Entwicklung zu verlangsamen. Neu zugekaufte Tiere während der Quarantäne zu behandeln, ist eine der wenigen zuverlässigen Möglichkeiten, resistente Würmer nicht auf den eigenen Betrieb einzuschleppen.
Welche Entwurmungsmittel noch wirksam sind und wie oft eine Kontrolle sinnvoll ist, hängt stark von Region und Betrieb ab. Diese Informationen dienen daher als allgemeiner Hintergrund und nicht als Behandlungsplan. Wenn ein Tier blass oder schwach wirkt oder eine Schwellung unter dem Kiefer zeigt, ist das ein Notfall, der noch am selben Tag tierärztlich abgeklärt werden sollte. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt kann Eizahlen bestimmen, den Blutbild-Wert kontrollieren und einen Überwachungsplan erstellen, der zu deiner Weidewirtschaft und deinem Klima passt.