
Verfangen in Abfall
Verfangen sich Wildtiere in Angelschnur, Netzen, Schnüren oder Müll, entstehen einschnürende Wunden und Verletzungen, die tierärztlich versorgt werden müssen.
Auch bekannt als Verfangen von Wildtieren, Wildtier im Netz verfangen, Wildtier in Angelschnur verfangen, Tier in Netz gefangen, Verstrickung von Wildtieren
Von Verfangen spricht man, wenn sich ein Wildtier in etwas verhakt hat, aus dem es sich nicht selbst befreien kann: weggeworfene Angelschnüre und Haken, Obst- oder Teichnetze, über Nacht liegen gelassene Sportnetze, Schnüre, Drachenschnur, Plastikringe von Verpackungen, lose Zaundrähte oder gewöhnlicher Müll. Achtlos entsorgte Angelschnur und Angelgerät an Ufern, Seen und Teichen zählen zu den häufigsten Ursachen. Organisationen wie die britische RSPCA befreien allein aus Netzen jedes Jahr Hunderte von Tieren. Betroffen sind Vögel, Igel, Wasservögel, Schildkröten, Schlangen, Füchse, Rehe und Meeressäuger. Ist ein Tier erst einmal gefangen, kann es meist nicht mehr fliegen, laufen, fressen oder einem Fressfeind entkommen, und durch das Zappeln zieht sich die Schlinge oft nur noch enger zusammen.
Das eigentliche Material verursacht den größten Schaden. Dünne Schnüre und feine Netze schneiden sich durch Fell, Federn und Haut und wirken dann wie eine Aderpresse, die die Blutversorgung von Bein, Flügel oder Schnabel abschnürt. Die Wunden sind oft viel tiefer, als sie von außen aussehen, und können unter einem Federkleid oder Stachelkleid völlig verborgen bleiben. Gewebe, das längere Zeit ohne Durchblutung war, kann erst Tage nach der Befreiung absterben. Deshalb kann ein scheinbar unversehrtes Tier trotzdem in ernster Gefahr sein. Dazu kommen mögliche Knochenbrüche, Nervenschäden, verschluckte Haken, die in Speiseröhre oder Magen stecken, die Gefahr des Strangulierens sowie Erschöpfung, Austrocknung und Hunger nach Stunden oder Tagen des Feststeckens. Bleibt das Tier lange gefangen, können bleibende Schäden an Haut, Federn, Muskeln, Nerven und Knochen zurückbleiben. Die Zahlen sind ernüchternd: Das Wildlife Center of Virginia berichtet, dass fast 60 Prozent der Tiere, die seit 2011 mit Verletzungen durch Angelgerät aufgenommen wurden, entweder gestorben sind oder eingeschläfert werden mussten.
Wenn du ein verfangenes Tier findest
- Ruf an, bevor du selbst handelst. Eine Tierarztpraxis oder eine zugelassene Wildtierauffangstelle kann dir sagen, ob und wie du eingreifen solltest und wohin du das Tier bringen kannst.
- Schneide das Tier nicht einfach los und lass es dann laufen. Verborgene Wunden, Hakensplitter und Durchblutungsschäden müssen untersucht werden.
- Denk an deine eigene Sicherheit. Reiher, Greifvögel, Möwen, Schwäne, Füchse und Rehe können dich ernsthaft verletzen, und Stress allein kann ein sich wehrendes Wildtier das Leben kosten.
- Zum Unterbringen ist ein dunkler, ruhiger, gut belüfteter Karton in einem warmen Raum weit besser geeignet als ein Käfig. Verzichte auf Futter und Wasser, sofern dir nichts anderes gesagt wird.
- Kannst du das verankernde Ende der Schnur oder des Netzes gefahrlos durchschneiden, tu das, lass aber das Material an der Haut sitzen, damit die Tierärztin oder der Tierarzt es unter Sedierung entfernen kann.
In der Praxis wird das Material meist unter Sedierung oder Narkose entfernt, damit die Verstrickung ohne weitere Gewebeverletzungen gelöst werden kann. Röntgenaufnahmen zeigen, ob Haken oder Knochenbrüche vorliegen. Die Behandlung umfasst in der Regel Wundversorgung, Schmerzmittel, Antibiotika und Flüssigkeitstherapie, gefolgt von einer Erholungsphase, in der geprüft wird, ob das Tier wieder fliegen, schwimmen oder Futter suchen kann, bevor es freigelassen wird. Wer Wildtiere rechtlich betreuen und pflegen darf, ist je nach Land unterschiedlich geregelt, daher arbeiten Tierärztinnen und Tierärzte in der Regel mit befugten Wildtierpflegestellen zusammen. Auch Haustiere sind betroffen: Hunde verschlucken beköderte Angelhaken, und Katzen verfangen sich in Netzen.
Dies sind allgemeine Informationen. Jedes verfangene Tier, ob wild oder Haustier, sollte tierärztlich untersucht werden.