
Fangmyopathie
Capture-Myopathie ist eine potenziell tödliche Muskelschädigung nach dem Stress extremer Anstrengung durch Verfolgung, Fang, Festhalten oder Transport, meist bei Wild- und Beutetieren.
Auch bekannt als Fangmyopathie, Gefangenschaftsmyopathie
Als Capture-Myopathie (auch Gefangenschafts- oder Fangmyopathie genannt) bezeichnet man Muskelschäden, die durch extremen Stress und Kraftanstrengung entstehen, meist nachdem ein Tier gejagt, gefangen, festgehalten, ruhiggestellt oder transportiert wurde. Du findest dafür auch die Bezeichnungen Belastungsmyopathie oder Belastungs-Rhabdomyolyse, was schlicht bedeutet, dass die Muskulatur nach Überanstrengung zerfällt. Bei einem panischen Tier arbeiten die Muskeln weit über das hinaus, was die Sauerstoffversorgung leisten kann. Das Blut übersäuert, die Körpertemperatur steigt, und Muskelfasern beginnen abzusterben. Der Inhalt dieser geschädigten Fasern, darunter der Muskelfarbstoff Myoglobin, Kalium und Muskelenzyme, gelangt ins Blut. Die Nieren können mit der Filterung dieser Stoffe überfordert sein, und Nieren- oder Multiorganversagen ist meist die Todesursache.
Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung 1964 bei einer Antilope in Kenia. Seitdem wurde sie bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Meeressäugern nachgewiesen, wobei Huftiere wie Hirsche und Antilopen sowie langbeinige Watvögel in der Fachliteratur am häufigsten genannt werden. Grundsätzlich kann jedes Tier unter starkem Stress betroffen sein, manche Arten sind aufgrund ihres Temperaments und ihrer Muskelphysiologie anfälliger als andere. Deshalb spielt das Thema nicht nur im Naturschutz eine Rolle: Auch Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Reptilien, die als Haustiere gehalten werden, besitzen denselben Fluchtinstinkt wie ihre wildlebenden Verwandten. Bei Pferden tritt eine eng verwandte Form der Belastungs-Rhabdomyolyse auf. Eine lange Verfolgungsjagd im Garten, ein grobes Handling beim Festhalten oder eine heiße, beengte Transportfahrt können bereits ausreichen, um ein verängstigtes Tier an seine Grenzen zu bringen.
Folgende Anzeichen nach einer stressigen Verfolgung, einem Fang oder Transport erfordern umgehend einen Anruf bei der Tierärztin oder dem Tierarzt:
- Zittern, Steifheit, Schwäche oder Muskeln, die sich hart und schmerzhaft anfühlen
- Schwierigkeiten beim Stehen oder Gehen, Wackeligkeit, oder ein Tier, das sich hinsetzt oder hinlegt und nicht mehr aufstehen will
- Schnelle Atmung, rasender Herzschlag oder ein ungewöhnlich heißer Körper
- Dunkelbrauner oder rötlich verfärbter Urin
- Zusammenbruch oder plötzlicher Tod
Der zeitliche Verlauf ist kaum vorherzusagen. Manche Tiere sterben innerhalb weniger Minuten, andere wirken zunächst recht normal und verschlechtern sich erst Stunden, Tage oder sogar einige Wochen später. Deshalb solltest du eine stressige Fangsituation deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt gegenüber erwähnen, selbst wenn dein Tier danach unauffällig erscheint.
Eine gezielte Heilbehandlung gibt es nicht. Die Therapie ist unterstützend und oft intensiv: intravenöse Flüssigkeitsgabe zum Schutz der Nieren und zum Ausschwemmen der Abbauprodukte der Muskulatur, Kühlung, Schmerzmittel, ruhige Erholung und später Physiotherapie, damit das Tier wieder sicher auf die Beine kommt. Die Prognose ist zurückhaltend zu stellen, weshalb der Vorbeugung die größte Bedeutung zukommt. Halte das Handling kurz und ruhig, vermeide längere Verfolgungen, fange oder transportiere Tiere nicht während der heißesten Tageszeit, verwende eine dunkle, gut belüftete Transportbox, und sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt über eine Sedierung für Tiere, die bei Untersuchungen stark in Panik geraten. Wenn du verletzte Wildtiere findest, verfolge sie nicht selbst, sondern wende dich an eine Tierärztin, einen Tierarzt oder eine zugelassene Wildtierauffangstation, die den Fang so planen kann, dass er möglichst wenig Stress verursacht.
Dies sind allgemeine Informationen und kein Ersatz für eine individuelle Beratung. Wenn du befürchtest, dass dein Tier einen beängstigenden Fang oder Transport erlebt hat und sich danach nicht normal bewegt, lass es noch am selben Tag von einer Tierärztin oder einem Tierarzt untersuchen.