
Geräuschangst
Eine echte Angststörung bei Hunden und Katzen, ausgelöst durch laute Geräusche wie Gewitter oder Feuerwerk, die von leichter Angst bis zu panischer Not reichen kann.
Auch bekannt als Geräuschangst beim Hund, Geräuschempfindlichkeit bei Hund und Katze, Lärmphobie beim Tier, Angst vor Feuerwerk und Gewitter, Silvesterangst beim Hund
Laute, plötzliche Geräusche wie Gewitterdonner, Feuerwerk, Schüsse oder auch nur eine zugeschlagene Tür können bei Hunden und Katzen echte Angst auslösen. Bei manchen Tieren geht diese Angst weit über einen kurzen Schreckmoment hinaus. Verhaltenstierärztinnen und -tierärzte bezeichnen Geräuschangst (auch Geräuschempfindlichkeit oder Lärmphobie genannt) als eine ernstzunehmende Angststörung und nicht als bloße Eigenart, denn körperlich ähnelt die Reaktion einer Panikattacke: rasender Herzschlag, weite Pupillen und ein Körper, der von Stresshormonen überflutet wird. Studien zeigen, dass dieses Phänomen erstaunlich verbreitet ist, Schätzungen gehen von etwa einem Drittel bis über der Hälfte aller Hunde aus, die eine gewisse Geräuschempfindlichkeit zeigen.
Die Anzeichen sind leicht zu übersehen, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss. Manche Tiere laufen unruhig hin und her, hecheln, sabbern, zittern oder versuchen sich zu verstecken. Andere wirken fast wie erstarrt und reagieren kaum noch, was Halterinnen und Halter manchmal fälschlich für Gelassenheit halten, obwohl es genau das Gegenteil ist. Das Cornell College of Veterinary Medicine weist darauf hin, dass Angstanzeichen von leicht bis schwer reichen können, etwa Zittern, Lautäußerungen, Hecheln, Umherlaufen, Sabbern, Verstecken, Kratzen an Türen und Fluchtversuche. In schwereren Fällen können Tiere in blinder Panik davonlaufen, um dem Geräusch zu entkommen. Das ist auch der Grund, warum Tierheime rund um Feuerwerksfeiertage regelmäßig deutlich mehr entlaufene Tiere aufnehmen.
Geräuschangst sollte man ernst nehmen, weil sie so gut wie nie gleich bleibt oder von selbst verschwindet. Die British Small Animal Veterinary Association (BSAVA) betont, dass eine Angstreaktion auf ungewöhnlich laute Geräusche zunächst normal sein kann, sich aber zu einer echten Phobie entwickeln kann. Während manche Tiere durch wiederholten Kontakt mit dem Reiz weniger ängstlich reagieren, wird ein erheblicher Teil zunehmend empfindlicher, sodass sich die Angstreaktion mit der Zeit sogar verstärkt. Bleibt das unbehandelt, kann aus einem leichten Zusammenzucken bei Feuerwerk mit der Zeit eine Panik bei Gewitter, zufallenden Autotüren oder sogar dem Staubsauger werden.
Die gute Nachricht: Geräuschangst gehört zu den Verhaltensstörungen, die sich in der Tiermedizin vergleichsweise gut in den Griff bekommen lassen. Tierärztinnen und Tierärzte setzen dabei meist auf mehrere Bausteine gleichzeitig: einen sicheren, höhlenartigen Rückzugsort für das Tier, Hintergrundgeräusche oder Musik, um plötzliche Laute abzumildern, schrittweise Desensibilisierung, bei der leise Aufnahmen des auslösenden Geräuschs mit positiven Erfahrungen verknüpft werden, und in ausgeprägteren Fällen eine kurzfristige oder dauerhafte angstlösende Medikation, die von der Tierärztin oder dem Tierarzt verschrieben wird. Wie es das Verhaltensteam von Cornell formuliert: Vorbeugen ist deutlich einfacher, als eine bereits verfestigte Angstreaktion später wieder umzukehren. Deshalb lohnt es sich, schon bei ersten Anzeichen zu handeln, statt abzuwarten.
Wenn dein Tier bei Gewitter, Feuerwerk oder anderen lauten Ereignissen erstarrt, zittert, sich versteckt oder zu fliehen versucht, solltest du das bei deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ansprechen, statt darauf zu hoffen, dass sich das Verhalten von selbst legt. Eine gründliche Verhaltensabklärung kann andere Ursachen ausschließen und deinem Tier die passende Kombination aus Management, Training und Medikation für seine individuellen Auslöser und den Schweregrad ermöglichen.
