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Tierwissen
Alpakas stehen auf einer sonnigen Weide nahe einer Scheune

Hirnwurm

Der Gehirnwurm ist ein Hirschparasit, den sich Alpakas, Lamas, Schafe und Ziegen über Nacktschnecken und Schnecken einfangen können. Er verursacht plötzliche, schwere neurologische Erkrankungen.

Der Gehirnwurm, oft auch Hirnhautwurm oder m-Wurm genannt, ist ein Rundwurm mit dem wissenschaftlichen Namen Parelaphostrongylus tenuis. Sein natürlicher Wirt ist der Weißwedelhirsch, in dessen Hirnhäuten (den Meningen) die erwachsenen Würmer leben, ohne dem Tier normalerweise zu schaden. In Gebieten, in denen der Parasit verbreitet ist, tragen schätzungsweise 80 % der Weißwedelhirsche ihn in sich. Die Hirsche scheiden Wurmlarven mit dem Kot aus, Nacktschnecken und Schnecken nehmen diese Larven auf, und in ihnen entwickeln sich die Larven zu dem Stadium weiter, das ein neues Tier anstecken kann. Der Kreislauf schließt sich, wenn ein weidender Hirsch versehentlich eine infizierte Schnecke zusammen mit einem Büschel Gras verschluckt.

Problematisch wird es, wenn nicht ein Hirsch, sondern ein anderes Tier diese Schnecke frisst. Alpakas, Lamas, Schafe und Ziegen gelten als sogenannte Fehlwirte: Der Wurm kann seinen Lebenszyklus in ihnen nicht vollenden. Statt sich brav in den Hirnhäuten niederzulassen, bohrt er sich durch das Gewebe des Rückenmarks und manchmal auch des Gehirns. Diese Gewebeschäden und die darauffolgende Entzündung sind es, die das Tier krank machen. Erste Anzeichen zeigen sich meist etwa ein bis zwei Monate nachdem die Schnecke gefressen wurde, und sie beginnen typischerweise an der Hinterhand und breiten sich von dort nach vorne aus. Worauf du achten solltest:

  • Schwäche, Wackeligkeit oder Schleifen der Hinterbeine
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen oder ein ungewöhnliches Hinsetzen
  • Kopfschiefhaltung, ein gekrümmter Hals, Kreislaufen oder Stolpern
  • Allmählicher Gewichtsverlust oder eine plötzliche Veränderung im Bewegungsablauf

Für Tierhalterinnen und Tierhalter sind zwei Punkte wichtig. Erstens: Ein erkranktes Alpaka oder eine erkrankte Ziege kann den Parasiten nicht an andere Tiere in der Herde weitergeben, und für Menschen besteht keine Gefahr. Zweitens gibt es bei diesen Tierarten keinen zuverlässigen Blut- oder Kottest. Die Tierärztin oder der Tierarzt stützt sich deshalb auf das Krankheitsbild, die Jahreszeit und das örtliche Hirschvorkommen und beginnt die Behandlung oft schon bei einem begründeten Verdacht, statt auf einen eindeutigen Nachweis zu warten. Die Behandlung besteht aus einer Kombination von Entwurmungsmittel, entzündungshemmenden Medikamenten und intensiver Pflege. Wird die Erkrankung früh erkannt, können sich Tiere erholen, manchmal bleiben jedoch dauerhafte neurologische Ausfälle zurück. Bei fortgeschrittenen Fällen ist eine Besserung deutlich schwieriger zu erreichen. Deshalb sollte jede plötzliche Bewegungsstörung bei einem Neuweltkamel oder kleinen Wiederkäuer noch am selben Tag tierärztlich abgeklärt werden, statt eine Woche abzuwarten.

Vorbeugen ist deutlich wirksamer als behandeln, denn dabei wird der Lebenszyklus des Parasiten unterbrochen. In Regionen, in denen der Erreger vorkommt, gehören dazu üblicherweise vorbeugende Injektionen mit sogenannten makrozyklischen Laktonen (etwa Ivermectin oder Doramectin) während der Monate, in denen Schnecken aktiv sind, sowie Zäune, die Hirsche von Weideflächen und Futter fernhalten, die Pflege von Gras und feuchtem Bewuchs, unter dem sich Schnecken verstecken, und der Verzicht auf Fütterung direkt am Boden. Genaue Produkte, Dosierungen und Behandlungsabstände unterscheiden sich je nach Tierart, Land und Zulassung der Arzneimittel. Den passenden Plan solltest du deshalb gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt erstellen.

Die geografische Verbreitung folgt dem Weißwedelhirsch. Der Gehirnwurm tritt vor allem im östlichen und zentralen Nordamerika auf, wobei sich das bekannte Verbreitungsgebiet weiter nach Westen und Norden ausdehnt. Für Tierhalterinnen und Tierhalter in Europa spielt er keine Rolle. Wenn du Tiere umgesiedelt hast oder neu in der Haltung von Neuweltkameliden oder kleinen Wiederkäuern bist, ist es sinnvoll, eine örtliche Tierärztin oder einen örtlichen Tierarzt zu fragen, ob der Parasit in deiner Region vorkommt.