
Hirnwurm
Der Hirnwurm ist ein Hirschparasit, der Weißwedelhirschen nicht schadet, bei Alpakas, Lamas, Schafen und Ziegen jedoch schwere Schäden an Rückenmark und Gehirn verursachen kann.
Auch bekannt als Hirschhirnwurm, Gehirnwurm, Wurmbedingte Rückenmarkserkrankung, Parelaphostrongylus-tenuis-Infektion
Der Hirnwurm, manchmal auch Hirschhirnwurm genannt, ist ein Fadenwurm (Parelaphostrongylus tenuis), der normalerweise im Weißwedelhirsch lebt, ohne ihm zu schaden. In Gebieten, in denen der Parasit verbreitet ist, tragen die meisten Weißwedelhirsche ihn in sich. Befallene Tiere scheiden Larven über den Kot aus, ohne selbst je krank zu wirken, wie das Cornell Wildlife Health Lab erklärt. Nacktschnecken und Schnecken nehmen diese Larven von der Weide auf, die Larven entwickeln sich im Inneren der Weichtiere weiter, und der Kreislauf schließt sich, wenn ein Hirsch beim Grasen auf derselben Fläche versehentlich eine infizierte Schnecke mitfrisst.
Problematisch wird es, wenn nicht ein Hirsch, sondern ein anderes Tier die Schnecke frisst. Alpakas, Lamas, Schafe und Ziegen sind sogenannte Fehlwirte: Der Wurm kann seinen Lebenszyklus in ihnen nicht vollenden. Statt sich ruhig einzunisten, wandert er durchs Rückenmark und manchmal bis ins Gehirn, und genau diese Wanderung samt der nachfolgenden Entzündung macht das Tier krank. Kamelartige scheinen dafür besonders anfällig zu sein: Eine langjährige Auswertung von Obduktionsdaten zeigte bei Lamas und Alpakas deutlich höhere Sterberaten durch diesen Parasiten als bei Schafen oder Ziegen. Erste Anzeichen zeigen sich meist etwa ein bis zwei Monate nach dem Verschlucken der Schnecke, und sie beginnen typischerweise an der Hinterhand und breiten sich nach vorne aus. Achte auf folgende Symptome:
- Schwäche, Wackeligkeit oder ein breitbeiniger Stand der Hinterbeine
- Schwierigkeiten beim Stehen oder ungewöhnliches Aufstehen
- Kopfschiefhaltung, ein aufgewölbter Nacken, Kreisbewegungen oder Stolpern
- Allmählicher Gewichtsverlust oder ein plötzlicher Verlust der Koordination
Als Halterin oder Halter solltest du zwei Dinge wissen. Erstens: Ein betroffenes Tier kann den Parasiten nicht an seine Weidegenossen weitergeben, und für Menschen besteht keine Gefahr. Zweitens gibt es bei Kamelartigen, Schafen und Ziegen keinen zuverlässigen Blut- oder Kottest für diese Infektion. Die Tierärztin oder der Tierarzt stützt sich deshalb auf das klinische Bild, die Jahreszeit und darauf, ob der Parasit in deiner Region bekannt ist, und beginnt die Behandlung häufig schon bei Verdacht, statt auf einen eindeutigen Nachweis zu warten, da derzeit kein Test am lebenden Tier existiert. Die Behandlung kombiniert meist ein Entwurmungsmittel mit unterstützender Pflege. Eine groß angelegte Studie zu Fällen bei Kamelartigen fand allerdings heraus, dass der zusätzliche Einsatz entzündungshemmender Kortikosteroide sogar mit schlechteren Ergebnissen verbunden war, während die Überlebensrate bis zur Entlassung in dieser Gruppe insgesamt unter der Hälfte lag. Früh behandelte Tiere können sich erholen, manchmal bleiben jedoch neurologische Ausfälle zurück, während fortgeschrittene Fälle deutlich schwerer zu behandeln sind. Deshalb verdient jede plötzliche Koordinationsstörung bei Kamelartigen, Schafen oder Ziegen einen Anruf bei der Tierärztin oder dem Tierarzt noch am selben Tag, statt abzuwarten, wie eine retrospektive Studie zu Kamelartigen mit dieser Erkrankung unterstreicht.
Vorbeugung ist hier wichtiger als Behandlung, denn sie unterbricht den Lebenszyklus des Parasiten: Hirsche möglichst von Weide und Futter fernhalten, feuchtes Gras und Laub, in dem sich Schnecken verstecken, im Zaum halten, und Futter nicht direkt am Boden anbieten. Ob eine vorbeugende Entwurmung für deine Tiere sinnvoll ist und welches Mittel infrage kommt, hängt von Tierart, Standort und den örtlichen Vorschriften zu Tierarzneimitteln ab. Das ist ein Thema für ein Gespräch mit deiner eigenen Tierärztin oder deinem Tierarzt, nicht für ein festes Rezept.
Die geografische Lage bestimmt das Risiko maßgeblich. Der Hirnwurm folgt dem Weißwedelhirsch und tritt deshalb vor allem im östlichen und zentralen Nordamerika auf. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass sich das bekannte Verbreitungsgebiet des Parasiten weiter nach Westen und Norden ausdehnt als bisher erfasst. Wenn du Kamelartige, Schafe oder Ziegen hältst und nicht weißt, ob der Parasit in deiner Gegend vorkommt, frag deine Tierärztin oder deinen Tierarzt vor Ort, denn Risiko und Vorgehen unterscheiden sich von Region zu Region erheblich.