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Tierwissen
Nahaufnahme eines Tierarztes, der eine niedliche Katze zur Gesundheitsuntersuchung hält.

Kitten-Pflege

Ein verständlicher Überblick über Fütterung, Sozialisierung, Impfungen, Entwurmung und Kastration im ersten Lebensjahr eines Kittens.

Auch bekannt als Kittenpflege, Katzenbaby-Pflege, Katzenwelpen-Pflege, Pflege von Katzenbabys

In den ersten zwölf Lebensmonaten macht eine Katze mehr Wachstum und Veränderung durch als in jeder späteren Lebensphase. Deshalb betrachten AAHA und AAFP das gesamte erste Jahr als eigene Lebensphase, die Kittenphase. Kittenpflege ist die praktische und medizinische Unterstützung, die eine Katze durch diese Phase begleitet. Wachstumsstudien zeigen, dass Kitten in den ersten zehn Wochen etwa 0,45 Kilogramm pro Monat zunehmen. Deshalb lässt sich das Alter eines jungen Kittens über das Gewicht gut einschätzen. Die Verhaltensleitlinien der AAFP weisen darauf hin, dass Neugeborene ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können und äußere Wärme brauchen. Bei einem älteren Kitten sollte sich dagegen die für Katzen normale rektale Körpertemperatur von 38,1 bis 39,2 Grad Celsius einstellen. Die normale Herzfrequenz einer Katze liegt zwischen 120 und 240 Schlägen pro Minute. Das gibt dir einen groben Anhaltspunkt, um zu merken, wenn etwas nicht stimmt.

Die Fütterung verändert sich in dieser Zeit schnell. Kitten beginnen meist zwischen der dritten und fünften Lebenswoche mit der Umstellung auf ein handelsübliches, ausgewogenes Aufzuchtfutter. Der Energiebedarf ist anfangs hoch und sinkt dann: Laut den Lebensphasen-Leitlinien von AAHA/AAFP braucht ein wachsendes Kitten mit zehn Wochen etwa 200 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, mit zehn Monaten nur noch etwa 80. Auch die Kastration verändert die Rechnung, denn sie senkt den täglichen Energiebedarf um 24 bis 33 Prozent. Ein Blick auf die Waage hilft also, frühes Übergewicht zu vermeiden. Und verzichte auf das Schälchen Kuhmilch: International Cat Care erklärt, dass entwöhnte Katzen nicht genug Laktase bilden, sodass Milch oft schwere Verdauungsprobleme und Durchfall auslöst.

Gleichzeitig wird die Sozialisierung geprägt. AAFP und ISFM sehen die zweite bis siebte Lebenswoche als wichtigste sensible Phase für Kitten, mit etwas Spielraum bis zur neunten Woche. Sanfter Umgang durch verschiedene Menschen in diesen Wochen verringert Angstreaktionen und hilft der Katze, zu einem erwachsenen Tier heranzuwachsen, das Menschen und Tierarztbesuchen entspannt begegnet. Deshalb rät International Cat Care auch davon ab, Kitten vor der achten Woche von Mutter und Geschwistern zu trennen, denn eine frühere Trennung erhöht das Risiko für spätere emotionale und Verhaltensprobleme.

Die Vorsorge im ersten Jahr ist kompakt, aber sehr wirksam. Nach den Impfleitlinien von AAHA und AAFP decken die Kernimpfungen für Kitten felines Herpesvirus, Calicivirus, Panleukopenie, Tollwut und bei Katzen unter einem Jahr das feline Leukämievirus ab. Dieselben Leitlinien empfehlen, mit der FVRCP-Kombination schon im Alter von sechs bis acht Wochen zu beginnen und sie alle drei bis vier Wochen zu wiederholen, bis das Kitten 16 bis 20 Wochen alt ist. International Cat Care rät zu einer ersten Auffrischung etwa zwölf Monate nach der Grundimmunisierung. Die Impfschemata unterscheiden sich je nach Land: Die StIKo Vet in Deutschland empfiehlt RCP-Dosen im Alter von acht, zwölf und sechzehn Wochen sowie erneut mit fünfzehn Monaten. Tollwut wird bei reinen Wohnungskatzen nicht zu den Kernimpfungen gezählt, für Reisen ins Ausland bleibt sie aber vorgeschrieben. Auch die Entwurmung gehört fest dazu: ESCCAP empfiehlt, in der dritten Lebenswoche zu beginnen, die Behandlung bis zur Entwöhnung alle zwei Wochen zu wiederholen, dann bis zum sechsten Monat monatlich, und die säugende Mutter gleich mitzubehandeln. Selbst Wohnungskitten können sich über verschmutzte Schuhe, Insekten oder ihre Mutter mit Parasiten anstecken. Zum Abschluss des ersten Jahres steht meist die Kastration an. Die AAFP befürwortet es, Kitten, die nicht zur Zucht vorgesehen sind, bis zum fünften Monat zu kastrieren; die TVT in Deutschland nennt vier bis fünf Monate. Laut TVT haben Studien die alte Annahme widerlegt, dass eine frühe Kastration bei Katern die Harnröhre verengt oder das Risiko für Erkrankungen der unteren Harnwege erhöht. Kitten im Tierheim werden nach den Empfehlungen der ASV teils noch früher kastriert, bereits mit sechs Wochen oder 0,68 Kilogramm. Unkastrierte weibliche Katzen können schon mit vier bis fünf Monaten rollig werden, und wiederholte Rolligkeiten bergen Risiken bis hin zur Gebärmuttervereiterung (Pyometra). Dein tierärztliches Team stimmt den genauen Plan auf dein Kitten ab. Sieh die Zahlen also eher als Wegweiser denn als feste Vorgabe.