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Tierwissen
A wild rabbit sitting in a lush green field, captured in a close-up view that highlights its fur.

Magen-Darm-Stase

Eine Magen-Darm-Stase ist eine Verlangsamung oder ein Stillstand der Verdauung beim Kaninchen, meist Zeichen eines anderen Problems und ein häufiger tierärztlicher Notfall.

Auch bekannt als Magen-Darm-Stase, Darmträgheit beim Kaninchen, Verdauungsstillstand, Ileus beim Kaninchen

Eine Magen-Darm-Stase ist der Zustand, in dem sich das Verdauungssystem eines Kaninchens verlangsamt oder ganz zum Stillstand kommt. Sie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Warnsignal dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt, und gehört zu den häufigsten Gründen, warum Kaninchen tierärztlich vorgestellt werden. Kaninchen sind auf eine ständige Darmbewegung angewiesen, damit Futter und Fasern durch Magen und Darm wandern. Verlangsamt sich diese Bewegung, trocknet der Darminhalt aus und wird zäher, wodurch sich alles noch weiter verlangsamt. Es entsteht ein Teufelskreis: Ein Kaninchen, das nicht mehr frisst, hat weniger Darmbewegung, und ein Darm, der stillsteht, nimmt dem Tier zusätzlich die Lust am Fressen.

Da Kaninchen sich nicht erbrechen können, muss alles, was in Magen oder Darm feststeckt, tierärztlich behandelt werden, denn von selbst kommt nichts wieder hoch. Ausgelöst werden kann eine solche Episode durch sehr unterschiedliche Faktoren: zu wenig Rohfaser im Futter, Schmerzen an irgendeiner Stelle des Körpers, Stress, Flüssigkeitsmangel, Zahnprobleme oder ein plötzlicher Wechsel von Futter oder Haltungsumgebung. Verschlucktes Fell ist eine besonders häufige Ursache, langhaarige Rassen sind davon öfter betroffen. Seltenere, aber schwerwiegendere Ursachen wie eine verdrehte Leberlappen oder ein echter Darmverschluss können auf den ersten Blick genauso aussehen wie ein milder Fall. Genau deshalb braucht jedes Kaninchen mit diesen Anzeichen eine gründliche tierärztliche Untersuchung und kein Abwarten zu Hause.

Auf folgende Anzeichen solltest du achten:

  • Weniger Fressen oder komplette Futterverweigerung: besonders wenn ein sonst futterbegeistertes Kaninchen auch Leckerlis verschmäht
  • Kleinerer, trockenerer oder weniger Kotabsatz: oder gar keiner mehr
  • Kotkügelchen, die durch Fell aneinanderhängen
  • Zusammengekauerte Haltung, Zähneknirschen oder Bewegungsunlust: das deutet meist auf Schmerzen hin und nicht mehr auf einen milden Verlauf
  • Rückzug und allgemeine Teilnahmslosigkeit

Ein Detail, das du kennen solltest: Die Körpertemperatur bei der Vorstellung in der Praxis hat großen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Kaninchen, die bei der Ankunft deutlich unterkühlt sind, haben ein erheblich höheres Risiko zu sterben oder eingeschläfert werden zu müssen als Tiere mit normaler Körpertemperatur. Das ist mit ein Grund, warum Tierärztinnen und Tierärzte dies als echten Notfall behandeln und nicht als etwas, das man ein oder zwei Tage beobachten kann. Die gute Nachricht dabei: Die meisten Kaninchen mit normaler Temperatur bei Vorstellung erholen sich gut, sobald sie behandelt werden.

Die Behandlung zielt in der Regel darauf ab, den Darm wieder in Bewegung zu bringen: Flüssigkeitsgabe, Schmerzmittel, Wärme bei unterkühlten Tieren und unterstützende Fütterung, dazu Untersuchungen wie Röntgen und Blutbild, um die auslösende Ursache zu finden. Manche Kaninchen erleben eine einzelne Episode, die sich auf einen klaren Auslöser wie einen Futterwechsel zurückführen lässt, andere haben wiederkehrende Schübe, die auf ein anhaltendes Problem wie Zahnerkrankungen, Arthrose oder chronische Bauchschmerzen hindeuten und einer eigenen Abklärung und Behandlung bedürfen. Weil die zugrunde liegende Ursache sowohl die Behandlung als auch die Prognose bestimmt, solltest du hier nicht auf eigene Faust raten. Jedes Kaninchen mit vermindertem Appetit oder auffälligem Kotabsatz braucht noch am selben Tag einen Termin beim Tierarzt oder bei der Tierärztin.

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