Spatz
EN
Tierwissen
Ein Tierarzt prüft die Gesundheit eines Deutschen Schäferhundes mit einem Stethoskop auf einem Behandlungstisch.

Magendrehung

Ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem sich der Magen eines Hundes mit Gas füllt und verdreht, wodurch die Durchblutung unterbrochen wird und sofort eine tierärztliche Operation nötig ist.

Auch bekannt als Magendrehung, Magentorsion, Magenverdrehung, Magendrehung beim Hund, Magentorsion beim Hund, GDV beim Hund, Magendilatation-Volvulus

Die Magendrehung (Magentorsion), medizinisch Magendilatation-Volvulus (GDV) genannt, ist einer der wenigen echten Notfälle in der Tiermedizin. Bei einer Magendrehung füllt sich der Magen rasch mit Gas, Flüssigkeit oder Futter und verdreht sich dann um die eigene Achse. Diese Drehung verläuft meist im Uhrzeigersinn, üblicherweise zwischen 90 und 360 Grad, und schließt den Mageninhalt so ein, dass nichts mehr normal entleert werden kann. Die meisten in der Praxis gesehenen Fälle zeigen Drehungen von 270 bis 360 Grad; jede Drehung über 180 Grad verschließt die Speiseröhre dort, wo sie in den Magen mündet. Während sich der aufgeblähte Magen ausdehnt, drückt er auf die hintere Hohlvene, die große Vene, die das Blut zum Herzen zurückführt. Dadurch erreicht weniger Blut das Herz, und der Körper kann rasch in einen Schock abgleiten, verbunden mit Herzrhythmusstörungen, einer Schädigung oder dem Absterben der Magenwand, einer Sepsis und dem Versagen anderer Organe. Wegen dieser Kettenreaktion betont das American College of Veterinary Surgeons, dass eine Magendrehung ohne Notfallversorgung innerhalb von Stunden tödlich enden kann.

Die Anzeichen treten plötzlich auf und sollten ernst genommen werden:

  • Würgen oder Versuche zu erbrechen, ohne dass etwas hochkommt
  • starkes Speicheln
  • Unruhe oder Umherlaufen
  • ein sichtbar aufgeblähter Bauch, der sich fest anfühlt
  • plötzliche Schwäche oder Zusammenbruch

In der Praxis stellt die Tierärztin oder der Tierarzt oft blasses Zahnfleisch fest, eine verlängerte kapilläre Rückfüllzeit (das Zahnfleisch bleibt nach dem Drücken länger blass, als es sollte), schwache Pulse und einen schnellen Herzschlag. Wenn du diese Anzeichen bei deinem Hund bemerkst, besonders bei einer großen oder riesigen Rasse mit tiefem Brustkorb, fahr sofort in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik. Selbst bei schneller Operation ist der Ausgang nicht garantiert: Die Sterblichkeit behandelter Hunde wird mit etwa 10 bis 33 Prozent angegeben.

Am stärksten gefährdet sind große und riesige Rassen mit tiefem Brustkorb, darunter Deutsche Doggen, Deutsche Schäferhunde, Großpudel, Weimaraner und Irish Setter. Die Magendrehung ist fast ausschließlich eine Erkrankung des Hundes, auch wenn seltene Fälle bei kleinen Hunderassen, Katzen und Meerschweinchen dokumentiert sind. Eine Studie mit 130 operativ behandelten Hunden ergab, dass etwas mehr als die Hälfte zwischen 5 und 10 Jahre alt war und etwas mehr Rüden betroffen waren. Einige alte Annahmen zur Vorbeugung sind inzwischen widerlegt. Erhöhte Futternäpfe schützen nicht vor einer Magendrehung; eine große prospektive Studie der Purdue University zeigte, dass sie das Risiko sogar erhöhten. Die Forschenden schätzten, dass erhöhte Futterstellen für etwa 20 Prozent der Fälle bei großen Rassen und rund 52 Prozent bei Riesenrassen verantwortlich waren. Auch trocken extrudiertes Trockenfutter und Futtermittel auf Sojaproteinbasis wurden als direkte Ursachen entlastet. Risikofaktoren, die tatsächlich bestehen, sind eine einzige Mahlzeit pro Tag, sehr schnelles Fressen und ein ängstliches oder nervöses Wesen.

Die Behandlung folgt einer klaren Reihenfolge. Zuerst wird der Hund mit intravenösen Infusionen stabilisiert, um den Kreislauf wiederherzustellen, und ein Röntgenbild bestätigt die Drehung, oft mit einem typischen Doppelblasen-Gasmuster. Danach entlastet die Tierärztin oder der Tierarzt den Magen vor der Operation mit einer Magensonde oder einer Nadel. Im Operationssaal wird der Magen zurückgedreht, Magenwand und Milz werden auf abgestorbenes Gewebe geprüft, das gegebenenfalls entfernt werden muss, und der Magen wird dauerhaft an der Bauchwand fixiert. Dieser letzte Schritt, eine Gastropexie, verhindert, dass sich der Magen erneut verdreht. Ausbildungsstätten für Tiermedizin in Deutschland und Österreich stufen diese Erkrankung als Notfall höchster Priorität in der Kleintierpraxis ein, was zeigt, wie ernst sie in der gesamten Fachwelt genommen wird.

Ratgeber zu diesem Thema