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Tierwissen
Eine braune Ratte im Freien

Sekundärvergiftung durch Rattengift

Sekundäre Rattengiftvergiftung, auch Relaisvergiftung genannt, entsteht, wenn ein Hund oder eine Katze indirekt vergiftet wird, weil er oder sie eine Maus oder Ratte frisst, die zuvor Rattengift aufgenommen hat.

Auch bekannt als Relaisvergiftung, Sekundärvergiftung durch Rattengift, indirekte Rattengiftvergiftung, Vergiftung durch vergiftete Beutetiere

Die meisten Haustiere, die mit Rattengift in Kontakt kommen, fressen den Köder direkt. Bei der sekundären Rattengiftvergiftung geschieht das einen Schritt weiter entfernt in der Nahrungskette: Eine Ratte oder Maus frisst den Köder, und dein Hund oder deine Katze fängt und frisst anschließend dieses Nagetier, wobei er oder sie das Gift aufnimmt, das noch in dessen Körper steckt. Tierärztinnen und Tierärzte nennen das Relaisvergiftung oder Relaistoxikose. Nach demselben Mechanismus werden auch Eulen, Füchse und andere Beutegreifer in der Nähe ausgelegter Köder geschädigt.

Am häufigsten sind sogenannte Antikoagulanzien beteiligt, also gerinnungshemmende Wirkstoffe wie Brodifacoum, Bromadiolon, Difenacoum, Difethialon, Cumatetralyl und Diphacinon. Sie blockieren die Wiederaufbereitung von Vitamin K, das der Körper braucht, um mehrere Blutgerinnungsfaktoren herzustellen. Dadurch kommt es zu spontanen Blutungen, die nicht mehr von selbst aufhören. Möglich wird die Relaisvergiftung dadurch, dass Rückstände dieser Wirkstoffe wochenlang in der Leber eines vergifteten Nagetiers verbleiben können, und bei den neueren, stärker wirksamen Ein-Dosis-Präparaten können hohe Mengen davon vorhanden sein. Ein Tier, das wiederholt vergiftete Nagetiere jagt und frisst, kann so mit der Zeit eine gefährliche Gesamtdosis aufnehmen. Nicht alle Rattengifte wirken auf diese Weise. Bromethalin, das nicht die Blutgerinnung, sondern das Nervensystem schädigt, birgt vor allem für Katzen ein echtes Relaisrisiko, da sie empfindlicher darauf reagieren als andere Tierarten. Zinkphosphid ist hauptsächlich dann bedenklich, wenn noch unverdaute Köderreste im Magen des Nagetiers vorhanden sind, da es sich sonst rasch zersetzt.

Wie besorgt solltest du sein

Eine einzelne vergiftete Maus reicht in der Regel nicht aus, um einem gesunden erwachsenen Hund oder einer Katze zu schaden, und eine Relaisvergiftung kommt bei Haustieren deutlich seltener vor als das direkte Fressen von Köder. Ein echtes Risiko besteht vor allem für eifrige, wiederholt jagende Tiere: Hof- und Bauernhofkatzen, frei umherstreifende Hunde sowie Tiere, die in der Nähe von Grundstücken oder landwirtschaftlichen Gebäuden leben, wo laufend Köder ausgelegt werden. Tiere mit Lebererkrankungen oder bestimmten Medikamenten kommen unter Umständen schlechter mit einer kleinen Giftmenge zurecht. Welche Produkte für Privathaushalte frei erhältlich sind und welche nur professionellen Schädlingsbekämpfern vorbehalten bleiben, ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Frag am besten bei deinem örtlichen Schädlingsbekämpfungsdienst oder deiner Tierarztpraxis nach, was in deiner Umgebung tatsächlich eingesetzt wird.

Eine Vergiftung mit Antikoagulanzien ist tückisch, weil der Körper zunächst einen Vorrat an Gerinnungsfaktoren aufbraucht, bevor Symptome sichtbar werden. Anzeichen zeigen sich meist erst etwa drei bis fünf Tage nach der Aufnahme, und bis dahin kann das Tier bereits ernsthaft erkrankt sein. Achte auf:

  • ungewöhnliche Mattigkeit, Schwäche oder Bewegungsunlust
  • blasses Zahnfleisch, blaue Flecken oder kleine rote Punkte auf der Haut
  • Nasenbluten oder Blut im Urin, Kot oder Erbrochenem
  • Husten oder schnelle beziehungsweise angestrengte Atmung
  • bei Bromethalin: Wackeligkeit in den Hinterbeinen, Zittern oder Krampfanfälle, oft schon innerhalb von ein bis drei Tagen

Wenn du vermutest, dass dein Tier ein vergiftetes Nagetier oder Köder gefressen hat, ruf sofort deine Tierarztpraxis oder eine Giftnotrufzentrale für Tiere an, statt abzuwarten, was passiert. Versuche nicht, dein Tier selbst zum Erbrechen zu bringen. Für Vergiftungen mit Antikoagulanzien gibt es ein wirksames Gegenmittel, Vitamin K1, das aber in der richtigen Dosierung verordnet und über mehrere Wochen weitergegeben werden muss. Anschließend wird ein Gerinnungstest gemacht, um sicherzustellen, dass die Behandlung gefahrlos beendet werden kann. Beginnt die Behandlung, bevor Blutungen auftreten, sind die Heilungschancen deutlich am besten. Diese Informationen sind allgemeiner Natur, nur eine tierärztliche Untersuchung kann klären, was dein Tier konkret braucht.