
Vermehrter Durst
Übermäßiger Durst (Polydipsie) bei Hunden und Katzen kann ein frühes Warnzeichen für Nierenerkrankungen, Diabetes oder Cushing-Syndrom sein und sollte zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
Auch bekannt als Übermäßiger Durst bei Hund und Katze, Vermehrtes Trinken beim Hund, Polydipsie bei Katzen, Starker Durst beim Tier, Ständiger Durst bei Hund und Katze
Wie viel dein Hund oder deine Katze trinkt, mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist aber eines der aussagekräftigsten Frühwarnzeichen in der Tiermedizin. Gesunde Hunde und Katzen nehmen im Schnitt etwa 40 bis 60 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht am Tag auf, wenn man die Feuchtigkeit aus dem Futter mit einrechnet. Tierärztinnen und Tierärzte werden meist aufmerksam, wenn die Trinkmenge über 100 ml pro Kilogramm und Tag steigt, wobei der tatsächliche Wasserbedarf stark von Umgebung, Aktivität, Futter und dem einzelnen Tier abhängt. Ganz praktisch gesagt: Wenn der Wassernapf, der sonst den ganzen Tag reicht, plötzlich schon mittags leer ist, oder deine Katze auf einmal am Wasserhahn oder aus der Toilette trinkt, obwohl sie das früher nie getan hat, solltest du das ernst nehmen und nicht als lustige neue Angewohnheit abtun.
Übermäßiger Durst, medizinisch Polydipsie genannt, tritt fast immer zusammen mit vermehrtem Harnabsatz auf. Beides hängt eng zusammen: Etwas führt dazu, dass die Nieren mehr Wasser als Urin ausscheiden, und der Körper reagiert darauf, indem er den Durst ankurbelt, um den Verlust auszugleichen. Die Steuerung von Wasseraufnahme und Harnproduktion ist ein Zusammenspiel mehrerer Körpersysteme, darunter das Durstzentrum, die Nieren, die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und der Hypothalamus. Gerät eines dieser Systeme durch eine Erkrankung aus dem Gleichgewicht, kippt oft das ganze System, und vermehrtes Trinken ist häufig das erste äußere Zeichen, das Halterinnen und Haltern auffällt, noch bevor deutlichere Symptome auftreten.
Die Liste möglicher Ursachen ist lang, doch ein paar Erkrankungen sind für die meisten Fälle verantwortlich. Bei Hunden sind die häufigsten Ursachen chronische Nierenerkrankung, Cushing-Syndrom (eine Überproduktion von Kortisol) und Diabetes mellitus. Bei Katzen sind chronische Nierenerkrankung und Diabetes mellitus ebenfalls häufig, hinzu kommt bei ihnen oft eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Daneben gibt es eine Reihe weiterer möglicher Auslöser für vermehrtes Trinken, darunter:
- Harnwegsinfektionen oder Niereninfektionen
- Pyometra, eine schwere Gebärmutterentzündung bei unkastrierten Weibchen
- Lebererkrankungen
- Ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut
- Bestimmte Medikamente wie Glukokortikoide, Phenobarbital oder harntreibende Mittel (Diuretika) sowie eine hohe Salzaufnahme
Da viele dieser zugrunde liegenden Probleme fortschreiten und sich umso schwerer behandeln lassen, je länger sie unentdeckt bleiben, solltest du bei vermehrtem Durst niemals einfach abwarten. Das Symptom allein verrät noch nicht, was genau nicht stimmt, es zeigt nur, dass der Körper deines Tieres mehr Wasser braucht als üblich. Ein Tierarztbesuch beginnt in der Regel einfach: mit einer körperlichen Untersuchung, einem Blutbild und einer Harnuntersuchung, denn genau so läuft die übliche diagnostische Abklärung bei übermäßigem Durst ab. Wird die Ursache früh erkannt, egal ob es sich um etwas gut Behandelbares wie eine Harnwegsinfektion oder um etwas Komplexeres wie Diabetes oder eine Nierenerkrankung handelt, stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich besser. In den folgenden Ratgebern erfährst du mehr zu den einzelnen Erkrankungen und wie Diagnose und Behandlung konkret aussehen.

