
Verwaiste Wildtiere
Hinweise dazu, was zu tun ist, wenn du ein Wildtierjunges findest, das allein, verletzt oder verwaist wirkt.
Auch bekannt als Wildtierjunges gefunden, Verwaistes Jungtier, Wildtierauffangstation, Findelkind Wildtier, Verlassenes Rehkitz
Ein Jungtier allein im Garten, beim Spaziergang oder im Wald zu entdecken, geht jedem zu Herzen. Der erste Impuls ist, es aufzuheben und zu helfen. In den meisten Fällen ist das Beste jedoch, gar nichts zu tun.
Wildtiereltern lassen ihre Jungen ganz normal über längere Zeit allein. Rehkitze werden im Gebüsch versteckt, während die Mutter woanders äst und nur wenige Male am Tag zurückkommt, um zu säugen, ohne durch ihre Anwesenheit Raubtiere anzulocken. Kaninchenmütter verhalten sich ähnlich und besuchen ihren Bau nur zwei- oder dreimal täglich. Ein Waschbär- oder Eichhörnchenjunges, das ruhig in der Nähe sitzt, wird meist noch aus der Ferne von einem Elterntier beobachtet. Wildtierbehörden in den USA weisen immer wieder darauf hin, dass die meisten vermeintlich verwaisten Tiere es gar nicht sind, und dass es meist deutlich mehr schadet, sie mitzunehmen, als sie in Ruhe zu lassen.
Es gibt aber Ausnahmen, bei denen Eingreifen richtig ist. Ein Tier ist wahrscheinlich wirklich in Not, wenn es eine sichtbare Wunde oder ein gebrochenes Bein hat, zittert, mit Fliegeneiern bedeckt ist, oder wenn du sicher weißt, dass das Elterntier tot in der Nähe liegt. Auch ein Vogeljunges, das noch keine Federn hat oder dessen Augen noch geschlossen sind und das aus dem Nest gefallen ist, braucht meist Hilfe. Ein befiederter Jungvogel dagegen, der am Boden herumhüpft, übt oft nur das Fliegen und braucht in der Regel keine Unterstützung. Wenn eine Katze oder ein Hund ein Jungtier im Maul hatte, auch nur kurz, solltest du ebenfalls handeln, da Verletzungen und Bakterien dabei oft nicht sichtbar sind.
Ein paar praktische Regeln, falls tatsächlich Hilfe nötig ist:
- Füttere das Tier nicht und gib ihm kein Wasser. Falsches Futter oder eine falsche Fütterungstechnik können ein Jungtier schnell töten.
- Vermeide unnötigen Körperkontakt. Menschlicher Geruch schreckt Muttertiere anders als oft angenommen nicht zwangsläufig ab, aber wiederholtes Stören und Stress schaden dem Tier wirklich.
- Ist das Tier verletzt, decke es vorsichtig mit einem Handtuch ab und setze es in einen sicheren, belüfteten Karton. Halte es danach dunkel, ruhig und fern von Haustieren und Lärm, während du Hilfe organisierst.
- Versuche niemals, ausgewachsene Wildsäugetiere wie Waschbären, Füchse oder Fledermäuse einzufangen, selbst wenn sie jung wirken, denn das Risiko für Bissverletzungen und Krankheitsübertragung ist real.
- Ruf eine zugelassene Wildtierauffangstation an, bevor du ein Tier transportierst. In vielen Regionen ist für die Pflege von Wildtieren eine Genehmigung nötig, und die Fachleute können dir schon am Telefon sagen, ob das Tier überhaupt gerettet werden muss.
Deine normale Tierarztpraxis ist selten darauf eingerichtet, Wildtiere langfristig zu behandeln. Viele können dir aber eine Wildtierauffangstation nennen, und manche nehmen verletzte Wildtiere kurzzeitig zur Erstversorgung auf, bevor sie weitervermittelt werden. Wenn du unsicher bist, ist ein kurzer Anruf bei einer Auffangstation oder der zuständigen Naturschutzbehörde immer die sicherere Wahl, als selbst zu raten.