
Wry-Face-Syndrom
Ein schiefes Gesicht (Wry Face) ist eine Kieferfehlstellung, bei der eine Seite ungleichmäßig wächst und dadurch schiefe Zähne und Bissprobleme bei Hunden und Katzen verursacht.
Auch bekannt als Schiefer Kiefer, Schiefbiss, Kieferasymmetrie, Klasse-IV-Malokklusion
Ein schiefes Gesicht (Wry Face) bedeutet, dass Ober- und Unterkiefer nicht richtig zueinander passen: Eine Seite des Oberkiefers, des Unterkiefers oder beider ist im Vergleich zur anderen Seite länger, kürzer oder verschoben gewachsen. Dadurch wirkt die Schnauze leicht schief, und die Zähne beißen nicht mehr so aufeinander, wie sie sollten. Zahnärztlich spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte nennen das eine maxillomandibuläre Asymmetrie oder eine Klasse-IV-Zahnfehlstellung, eine von vier anerkannten Kategorien von Kiefer- und Zahnfehlstellungen. Der ältere Begriff „Wry Bite“ (schiefer Biss) wird von vielen Züchtern noch verwendet, doch Fachleute bevorzugen meist die genauere Bezeichnung, weil sie angibt, welcher Teil des Kiefers in welche Richtung von der normalen Linie abweicht. Etwas Ähnliches gibt es auch bei Pferden: Eine angeborene seitliche Verdrehung von Oberkiefer und Nase trägt dort den eigenen Namen „Wry Nose“.
Man geht davon aus, dass solche knöchernen Fehlstellungen in bestimmten Rassen und Zuchtlinien gehäuft auftreten, ähnlich wie auch Kieferlängen-Probleme vererbt werden können. Auch Verletzungen der Wachstumsfugen spielen eine Rolle: Ein Schlag ins Gesicht oder auf den Kiefer während der Wachstumsphase von Welpe oder Kätzchen kann das Knochenwachstum auf der verletzten Seite verlangsamen, während die andere Seite normal weiterwächst. Kiefer- und Gesichtsverletzungen bei jungen, noch wachsenden Hunden gelten als anerkannte Ursache für eine dauerhafte Asymmetrie.
Warum das für dein Tier wichtig ist
Entscheidend ist nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern wo die Zähne am Ende aufeinandertreffen. Bei einem ungleichmäßigen Biss werden Zähne an Stellen gedrückt, an denen sie eigentlich nie Kontakt haben sollten: Ein Fangzahn kann sich in den Gaumen bohren, Schneidezähne können wunde Stellen in Zahnfleisch oder Lippen reiben, und jeder Zahn, dem sein normaler Gegenspieler fehlt, nutzt sich ungleichmäßig ab oder sammelt Futterreste und Zahnbelag. Bleibt das unbehandelt, drohen anhaltende wunde Stellen, Infektionsrisiko und stille Schmerzen, keine bloße Äußerlichkeit. Ein Tierarztbesuch lohnt sich, wenn dir Folgendes auffällt:
- schief stehende Zähne oder ein Kiefer, der nicht mittig wirkt
- wunde Stellen, Rötungen oder Blutungen dort, wo ein Zahn in Gaumen, Zahnfleisch oder Lippe drückt
- Mundgeruch oder Zähne, die ungewöhnlich abgenutzt, angeschlagen oder von Zahnfleischerkrankungen betroffen wirken
- ein Maul, das beim wachen Tier schmerzhaft auf Berührung reagiert oder sich nur schwer untersuchen lässt
Nicht nur Hunde sind betroffen, auch Katzen können ein schiefes Gesicht entwickeln. Die Tierärztin oder der Tierarzt prüft den Biss zunächst am wachen Tier und anschließend noch einmal unter Narkose mit zahnärztlichen Röntgenaufnahmen, denn nur diese zeigen die Position der Zahnwurzeln und die Struktur des Kiefers, die von außen nicht zu beurteilen sind. Ziel der Behandlung ist ein schmerzfreies, funktionierendes Maul, nicht ein optisch perfektes. Die Möglichkeiten reichen von reinem Beobachten einer leichten Asymmetrie, die keinen Schaden anrichtet, über das Ziehen des schädigenden Zahns und das Kürzen und Versiegeln einer Zahnkrone bis hin zum schrittweisen Bewegen von Zähnen mit einer kieferorthopädischen Apparatur. Bei Welpen und Kätzchen lohnt sich eine frühe Bisskontrolle, solange die Milchzähne noch vorhanden sind, denn dann lassen sich Probleme am leichtesten erkennen und mitunter noch korrigieren, bevor die bleibenden Zähne durchbrechen. Da bei vielen dieser Kieferlängen-Probleme eine erbliche Komponente vermutet wird, solltest du den Biss deines Tieres ansprechen, bevor Zuchtentscheidungen getroffen werden. Diese Informationen ersetzen keine Diagnose: Nur eine gründliche zahnärztliche Untersuchung zeigt, was das Maul deines Tieres tatsächlich braucht.