
Abszesse
Ein Abszess ist eine schmerzhafte, eitergefüllte Schwellung, die entsteht, wenn Bakterien eine Wunde oder verstopfte Drüse infizieren und der Körper die Infektion abkapselt.
Auch bekannt als Eiterbeule, Eiteransammlung, vereiterte Wunde
Ein Abszess ist eine mit Eiter gefüllte Tasche, die sich unter der Haut oder im Körperinneren bildet, wenn Bakterien eindringen und das Immunsystem die Infektion abkapselt, statt sie sich frei ausbreiten zu lassen. Der Eiter selbst besteht aus abgestorbenen weißen Blutkörperchen, Bakterien und geschädigtem Gewebe und baut in der Kapsel, die der Körper darum bildet, Druck auf. Die meisten Abszesse bei Haustieren beginnen ganz banal: mit einer Bisswunde, einer Kratzverletzung, einer Stichverletzung durch einen Ast oder Dorn, oder mit einer verstopften Drüse, die anschließend von Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken oder Trueperella-Arten besiedelt wird.
Katzen neigen nach Kämpfen besonders zu Abszessen, weil ihre spitzen Zähne kleine Stichwunden hinterlassen, die sich schnell verschließen und Bakterien darunter einschließen, also genau die Umgebung schaffen, die ein Abszess zur Entstehung braucht. Bei Hunden entstehen sie häufig rund um die Analdrüsen, wenn sich die Drüsensäckchen nicht richtig entleeren und das eingeschlossene Sekret sich entzündet, oder im Hals- und Maulbereich, wenn sich ein Stockverletzung unter die Haut vorarbeitet. Egal wo es passiert: Ein Abszess zeigt sich meist als geschwollener, warmer, schmerzhafter Knoten, und das Tier lässt eine Berührung dort oft nur ungern zu. Ist er bereits aufgeplatzt, bemerkst du vielleicht einen üblen Geruch, verklebtes Fell oder eine nässende Wunde. Je nach Ort und Ursache kann ein betroffenes Tier zusätzlich Fieber bekommen, die Nahrung verweigern oder insgesamt matt wirken, weil die Infektion den ganzen Körper belastet.
Achte auf folgende Anzeichen:
- Eine Schwellung, die schnell entsteht: vor allem wenn sie warm, druckempfindlich ist oder sich innerhalb ein bis zwei Tagen vergrößert
- Plötzliches Lahmen oder Schonen einer Gliedmaße: kann auf einen Abszess in Pfote oder Gelenk hindeuten
- Rutschen auf dem Boden oder Lecken an der Schwanzwurzel: ein häufiges Zeichen für ein Problem mit den Analdrüsen bei Hunden
- Ausfluss, übler Geruch oder eine Wunde, die nicht heilt: ein Hinweis darauf, dass der Abszess bereits aufgebrochen ist
- Fieber, Mattigkeit oder Appetitlosigkeit: Anzeichen dafür, dass die Infektion den Körper insgesamt in Mitleidenschaft zieht
Unbehandelt kann ein kleiner Abszess manchmal von selbst aufplatzen und abheilen, doch viele müssen von einer Tierärztin oder einem Tierarzt fachgerecht eröffnet und gespült werden, häufig gehört auch eine Antibiotikagabe zur Behandlung dazu. Größere oder tiefer liegende Abszesse, etwa im Bauchraum oder rund um die Augenhöhle, werden mittels bildgebender Verfahren oder Punktion diagnostiziert und benötigen mitunter eine aufwendigere Behandlung, manchmal eine Operation, manchmal eine längere, anhand einer Kulturprobe gezielt ausgewählte Antibiotikatherapie. Die eigentliche Gefahr bei Abszessen liegt meist nicht in der Eitertasche selbst, sondern darin, was passiert, wenn die Infektion nicht behandelt wird: Sie kann sich entlang von Gewebeschichten ausbreiten, umliegende Strukturen schädigen oder in die Blutbahn gelangen und eine Blutvergiftung auslösen, ein echter Notfall. Deshalb solltest du bei jedem Knoten, der wächst, schmerzt oder nässt, noch am selben oder spätestens am nächsten Tag zur Tierärztin oder zum Tierarzt gehen, statt abzuwarten. Die folgenden Ratgeber gehen genauer auf einzelne Abszessarten ein, etwa wo sie typischerweise auftreten und wie die Behandlung dabei üblicherweise aussieht.

