
Ohrenentzündung beim Hund nach dem Schwimmen: Wenn Sommerbaden zum Problem wird
Warum eingeschlossenes Wasser im Gehörgang nach dem Schwimmen zu einer Ohrenentzündung führt, welche Warnzeichen in den ersten Tagen auftreten, wie du die Ohren richtig trocknest und wann der Gang zur Tierärztin nötig ist.
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Das Wichtigste in Kürze
- Nach jedem Schwimmen Ohrmuscheln und Fell darunter trocknen, den Hund vorher schütteln lassen
- Bei regelmäßigen Schwimmern einen tierärztlich empfohlenen, trocknenden Ohrreiniger verwenden, niemals Wattestäbchen oder Reinigungsalkohol
- Kopfschütteln, Kratzen, hefeartiger Geruch oder brauner Ausfluss in den Tagen nach dem Schwimmen erfordern eine tierärztliche Kontrolle
- Hänge-, V-förmige und behaarte Ohren tragen das höchste Risiko, besonders bei Basset Hounds, Beagles und Retrievern
- Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsverlust, plötzliche Taubheit oder starke Schmerzen erfordern noch am selben Tag tierärztliche Hilfe
- Jeden Sommer wiederkehrende Ohrenentzündungen haben meist eine zugrunde liegende Ursache wie eine Allergie
Dein Hund springt eine Stunde lang begeistert in den See, hat den schönsten Tag seines Lebens, und zwei Tage später schüttelt er den Kopf und reibt sein Ohr am Sofa. Eine Ohrenentzündung nach dem Schwimmen gehört zu den häufigsten Sommerproblemen, die wir in der Praxis sehen, und sie lässt sich zugleich am besten vermeiden. Dieser Ratgeber richtet sich an alle, deren Hund gern ins Wasser geht, besonders an Halterinnen und Halter von Hängeohr-Hunden. Er erklärt, warum Schwimmen Ohrenentzündungen begünstigt, woran du erste Anzeichen erkennst, was du zu Hause sicher tun kannst und ab wann dein Hund tierärztlich untersucht werden sollte.
Warum verursacht Schwimmen Ohrenentzündungen bei Hunden?
Der Gehörgang eines Hundes ist kein gerades Rohr wie bei uns Menschen. Er verläuft zunächst nach unten und knickt dann in Richtung Trommelfell nach innen ab, sodass eine L-Form entsteht. Wasser, das über die Ohröffnung eindringt, muss diesen Knick wieder bergauf verlassen, weshalb ein Teil davon in der Biegung stehen bleibt. Kommen noch Körperwärme, eine schützende Ohrmuschel und dichtes Fell dazu, entsteht eine warme, dunkle, feuchte Tasche.
Das Wasser selbst ist eigentlich nicht der Übeltäter. Ein gesunder Gehörgang trägt ohnehin geringe Mengen an Bakterien und Hefepilzen in sich, ohne dass das Probleme macht. Anhaltende Feuchtigkeit weicht jedoch die Haut auf, die den Gehörgang auskleidet, und schwächt sie. Ist diese Schutzbarriere erst gestört, vermehren sich die üblichen Bewohner unkontrolliert. Meist sind Staphylokokken und der Hefepilz Malassezia pachydermatis die Verursacher. Bei manchen Hunden, vor allem solchen mit Vorgeschichte von Ohrenproblemen, setzen sich Pseudomonas-Bakterien fest, die schwerer zu behandeln sind und häufig auf Umweltquellen wie Wasser zurückgehen.
Deshalb stufen Fachtierärztinnen und Fachtierärzte für Hautkrankheiten Feuchtigkeit eher als begünstigenden Faktor denn als eigentliche Ursache ein. Sie bringt ein bereits anfälliges Ohr aus dem Gleichgewicht. Das ist für dich als Halterin oder Halter wichtig zu wissen: Bekommt dein Hund jeden Sommer eine Ohrenentzündung, ist Wasser wahrscheinlich der Auslöser, doch meist steckt noch etwas anderes dahinter, das seine Ohren von vornherein anfällig macht.
Spielt es eine Rolle, ob es sich um Pool, See oder Meer handelt?
Alle drei hinterlassen Feuchtigkeit, und genau die ist das Hauptproblem. Natürliche Gewässer enthalten mehr Bakterien und organische Schwebstoffe, und stehendes oder träge fließendes Wasser bei warmem Wetter ist für die Ohren am ungünstigsten. Gechlortes Poolwasser und Salzwasser können bei Hunden, die täglich schwimmen, die Haut im Gehörgang austrocknen und reizen. Wenn du deinen Hund nach dem Schwimmen von Salz, Sand und Schlick abspülst und anschließend die Ohren trocknest, deckst du alle drei Fälle ab.
Noch eine Warnung, solange wir bei Sommerwasser sind: Meide Teiche oder Seen mit blaugrünem Schaum oder einem lackartigen Film auf der Oberfläche. Blaualgen können für Hunde binnen kurzer Zeit tödlich sein, wenn sie das Wasser trinken oder darin schwimmen, und dieses Risiko ist weit dringlicher als jedes Ohrenproblem.
Welche Hunde sind besonders gefährdet?
Ohrenentzündungen kommen bei Hunden generell häufig vor. Eine große britische Studie mit über 22.000 Hunden aus der tierärztlichen Grundversorgung, veröffentlicht vom VetCompass-Programm des Royal Veterinary College, ergab, dass etwa 7 von 100 Hunden innerhalb eines Jahres mit einer Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) diagnostiziert wurden. Rasse und Ohrform erwiesen sich als stärkste Risikofaktoren.
Im Vergleich zu Mischlingshunden fand dieselbe Studie deutlich höhere Erkrankungsraten bei Basset Hounds (fast sechsmal so hoch), Shar Peis, Labradoodles, Beagles und Golden Retrievern. Hunde mit Hängeohren und V-förmigen Schlappohren hatten etwa das 1,8-fache Risiko im Vergleich zu Hunden mit Stehohren. Chihuahuas, Border Collies, Yorkshire Terrier und Jack Russell Terrier schnitten risikoärmer ab.
Dein Hund gerät nach dem Schwimmen eher in Schwierigkeiten, wenn er:
- schwere Hängeohren oder V-förmige Schlappohren hat, die die Ohröffnung abdichten
- viel Fell im oder um den Gehörgang trägt, das Wasser wie ein Schwamm aufsaugt
- enge Gehörgänge hat, oder Gehörgänge, die durch frühere Entzündungen bereits verdickt sind
- an einer allergischen Hauterkrankung leidet, die hinter einem Großteil der wiederkehrenden Ohrenprobleme bei Hunden steckt
- eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine andere hormonelle Erkrankung hat
- bereits Ohrenentzündungen hatte oder mehrmals wöchentlich schwimmt
Hunde mit Stehohren sind nicht automatisch geschützt. Ein Labrador zum Beispiel ist ein begeisterter Schwimmer mit Hängeohren und gut ausgeprägten Drüsen im Gehörgang, eine im Juli eher unglückliche Kombination.
Woran erkenne ich eine Ohrenentzündung nach dem Schwimmen?
Die Anzeichen zeigen sich meist innerhalb weniger Tage nach dem Schwimmen, manchmal schon nach 24 Stunden. Achte auf:
- Kopfschütteln, oft wiederholt und heftig
- Kratzen am Ohr oder Reiben des Kopfes an Teppich oder Möbeln
- gelben, braunen oder wachsartigen Ausfluss, manchmal mit sichtbarem Eiter
- einen süßlichen, hefeartigen oder üblen Geruch aus dem Ohr
- Rötung oder Schwellung der Ohrmuschel und der Ohröffnung
- eine leicht zur schmerzenden Seite geneigte Kopfhaltung
- Zusammenzucken, Aufjaulen oder Zurückweichen, wenn du das Ohr berührst oder am Kopf kratzt
- eine ruhige, gedrückte Stimmung oder Abwehr gegen Berührung, was bei einem sonst tapferen Hund der einzige Hinweis sein kann
Ohrenentzündungen tun weh. Hunde mit einem schmerzenden Ohr können schnappen, wenn man sich ihrem Kopf nähert, auch sonst sehr gelassene Hunde. Geh deshalb behutsam vor und warne Kinder entsprechend.
Was tue ich direkt nach dem Schwimmen?
Die Nachsorge nach dem Baden dauert etwa eine Minute pro Ohr und verhindert die meisten dieser Entzündungen.
- Lass ihn zuerst schütteln: Dieser Reflex befördert erstaunlich viel Wasser aus dem Gehörgang. Halte Abstand und lass es geschehen, bevor du die Ohren berührst.
- Trockne, was du erreichen kannst: Wische die Innenseite der Ohrmuschel und das Fell direkt unter der Ohröffnung mit einem weichen Tuch, Mull oder einem saugfähigen Pad ab. Geh nur so tief, wie dein Finger bequem hineinpasst. Schiebe niemals etwas in den Gehörgang hinein.
- Verwende bei regelmäßigem Schwimmen einen trocknenden Ohrreiniger: Lass dir von deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ein tierärztliches Ohrreinigungsmittel mit trocknender oder adstringierender Wirkung empfehlen und die Technik zeigen. Fülle den Gehörgang, massiere die Ohrbasis einige Sekunden, bis du ein schmatzendes Geräusch hörst, lass deinen Hund schütteln und wische anschließend gelösten Schmutz und Flüssigkeit vom äußeren Ohr ab.
- Lüfte die Ohren: Halte oder falte die Ohrmuscheln für ein paar Minuten sanft zurück, damit Luft an die Ohröffnung gelangt. Trockne das Fell hinter und unter der Ohrmuschel.
- Halte das Fell kurz: Überschüssiges Haar an der Ohröffnung und der Innenseite der Ohrmuschel zu stutzen verbessert die Luftzirkulation und senkt die Feuchtigkeit. Frag deine Hundefriseurin oder deinen Tierarzt, wo genau geschnitten werden sollte, und zupfe Haare aus dem Gehörgang nur, wenn dein Tierarzt es für deinen Hund ausdrücklich empfohlen hat.
- Kontrolliere die Ohren während der Badesaison einmal pro Woche: Heb die Ohrmuschel an, schau hinein und riech kurz daran. Du achtest dabei auf Veränderungen gegenüber dem, was für deinen Hund normal ist, deshalb lohnt es sich, dieses Normal zu kennen.
Was du nicht tun solltest
- Keine Wattestäbchen: Sie schieben Ohrenschmalz und Wasser tiefer hinein und können den Gehörgang oder das Trommelfell verletzen. Verletzungen durch Wattestäbchen gelten selbst als anerkannter Risikofaktor für Ohrenentzündungen.
- Kein Reinigungsalkohol, Wasserstoffperoxid oder selbstgemachte Essigmischungen: Solche Tipps kursieren viel im Internet. Auf bereits entzündeter oder verletzter Haut brennen sie stark, und ist das Trommelfell beschädigt, können Alkohol- und Essiglösungen bis ins Mittelohr vordringen.
- Nicht übertreiben beim Reinigen: Tägliches Reinigen gesunder Ohren reizt sie und kann genau das Problem auslösen, das du eigentlich vermeiden willst. Reinige nach dem Schwimmen und Baden, oder nach dem Plan, den dir deine Tierärztin gibt, nicht ständig.
- Verwende nie übrig gebliebene Ohrentropfen erneut: Das Rezept vom letzten Sommer passt womöglich nicht zur aktuellen Entzündung. Es kann Symptome verschleiern, Resistenzen fördern oder einem Ohr schaden, dessen Trommelfell inzwischen gerissen ist.
- Presse kein Wasser mit dem Föhn heraus: Die Hitze kann die dünne Ohrhaut verbrennen.
Wann zur Tierärztin oder zum Tierarzt?
Vereinbare einen Termin, wenn dein Hund länger als 24 Stunden am Ohr schüttelt oder kratzt, wenn du Ausfluss oder Rötung siehst, oder wenn das Ohr riecht. Eine frühe Otitis lässt sich unkompliziert behandeln. Bleibt sie ein bis zwei Wochen unbehandelt, wird sie schmerzhaft, tiefsitzend und deutlich hartnäckiger, und wiederholte unbehandelte Episoden können den Gehörgang dauerhaft verdicken und verengen.
Kontaktiere noch am selben Tag eine Tierärztin oder außerhalb der Öffnungszeiten eine Notfallklinik, wenn du eines dieser Warnzeichen bemerkst:
- anhaltende Kopfschiefhaltung, Taumeln, Kreisen oder Umfallen zu einer Seite
- schnelle, ruckartige Augenbewegungen, oder ein hängendes Gesicht oder eine hängende Lippe auf einer Seite
- plötzlich wirkende Taubheit
- Blut im Ohrausfluss, oder ein stark geschwollener, verschlossener Gehörgang
- Aufschreien bei Berührung des Ohrs, oder Verweigerung von Futter und Verstecken
- eine ballonartig gefüllte Schwellung der Ohrmuschel, die nach heftigem Kopfschütteln auftreten kann
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass Mittel- oder Innenohr betroffen sein könnten oder dass das Trommelfell gerissen ist. Das verändert sowohl die Behandlung als auch die Dringlichkeit.
Was macht die Tierärztin, und wie verhindere ich ein erneutes Auftreten?
Deine Tierärztin oder dein Tierarzt wird mit einem Otoskop in den Gehörgang schauen und prüfen, ob das Trommelfell intakt ist. Meist wird ein Abstrich genommen und unter dem Mikroskop untersucht, denn Bakterien und Hefepilze brauchen unterschiedliche Medikamente, und man kann sie weder am Geruch noch an der Farbe unterscheiden. Wirkt die Entzündung resistent, tritt sie wiederholt auf, oder zeigen sich stäbchenförmige Bakterien wie Pseudomonas unter dem Mikroskop, kann zusätzlich eine bakteriologische Kultur eingeschickt werden.
Die Behandlung besteht meist aus einer gründlichen Reinigung, gefolgt von Tropfen oder einer Salbe zum Auftragen, oft kombiniert mit einem entzündungshemmenden Mittel gegen Schmerz und Schwellung. Sehr schmerzhafte oder stark verschmutzte Ohren müssen manchmal unter Sedierung gespült werden. Zwei Dinge entscheiden darüber, ob die Entzündung wirklich ausheilt oder wiederkehrt: die volle Behandlungsdauer genau wie verordnet durchzuhalten, auch wenn es deinem Hund schon wieder gut geht, und den Kontrolltermin wahrzunehmen, damit die Tierärztin bestätigen kann, dass das Ohr tatsächlich abgeheilt und nicht nur vorübergehend ruhiger ist.
Kommen Ohrenentzündungen immer wieder, lohnt es sich, nach der zugrunde liegenden Ursache zu fragen, statt jeden Schub einzeln zu behandeln. Wie es im Merck-Handbuch für Veterinärmedizin heißt, kehrt eine Otitis meist zurück, solange nicht alle mitwirkenden Faktoren angegangen werden. In der Praxis bedeutet das: Abklärung einer allergischen Hauterkrankung, einer Futtermittelunverträglichkeit, hormoneller Erkrankungen wie einer Schilddrüsenunterfunktion, oder der Form des Gehörgangs selbst. Hunde mit chronischen Ohrenproblemen profitieren zudem von einem schriftlichen Pflegeplan: welches Reinigungsmittel, wie oft, und was nach dem Schwimmen zu tun ist.
Die meisten wasserbegeisterten Hunde können weiterhin schwimmen. Setze das Schwimmen während der Behandlung eines Ohrs aus, halte dich nach der Abheilung an die Trockenroutine, und kontrolliere die Ohren im Sommer wöchentlich. Bekommt dein Hund trotz guter Nachsorge nach jedem einzelnen Schwimmgang eine Entzündung, lohnt sich ein Gespräch über seine allgemeine Hautgesundheit, bevor du den See ganz aufgibst.
Kurz zusammengefasst
Schwimmen muss deinen Hund nicht seine Ohren kosten. Trockne sie, lüfte sie, sieh sie einmal pro Woche an, und behandle Kopfschütteln, das länger als einen Tag anhält, als Grund für einen Anruf bei der Tierärztin statt für weiteres Abwarten. Die Entzündungen, die langwierig, quälend und teuer werden, sind fast immer die, die am Anfang unbeachtet blieben.


