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Ratgeber
Zwei haarlose Xoloitzcuintli-Welpen erkunden neugierig Blumen auf einem gepflasterten Weg im Freien.

Hund von Biene oder Wespe gestochen: Schwellung, allergische Reaktion und wann es ein Notfall ist

So erkennst du, ob ein Bienen- oder Wespenstich bei deinem Hund harmlos verläuft, wie du Erste Hilfe leistest und woran du einen gefährlichen allergischen Schock oder eine Schwellung der Atemwege erkennst.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbaren Stachel zügig entfernen, ohne dich zu sehr um die Technik zu sorgen
  • Die Einstichstelle drei- bis viermal täglich kühlen
  • Deinen Hund in den ersten dreißig Minuten nach dem Stich genau beobachten
  • Bei Schwellungen im Gesicht oder Rachen, Kollaps, blassem Zahnfleisch oder Atemnot sofort die Tierärztin oder den Tierarzt anrufen
  • Niemals ein Antihistaminikum oder Schmerzmittel geben, ohne vorher Rücksprache zu halten
  • Nach mehreren Stichen noch am selben Tag tierärztlichen Rat einholen, auch wenn der Hund fit wirkt

Wenn dein Hund von einer Biene oder Wespe gestochen wurde, stehen die Chancen gut. Die meisten Stiche verursachen eine schmerzhafte Beule, etwas Aufregung und sonst nichts. Bei einer kleinen Zahl von Hunden entwickelt sich die Reaktion aber innerhalb weniger Minuten zu etwas Gefährlichem, und ein Stich im Maul oder Rachen ist ohnehin eine ganz andere Geschichte. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie ein normaler Stich aussieht, was du in den ersten Minuten tun solltest, welche Anzeichen sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt gehören und worauf du in den folgenden Tagen noch achten solltest.

Was passiert eigentlich, wenn ein Hund gestochen wird?

Bienen- und Wespengift ist ein Gemisch aus Eiweißen und anderen Bestandteilen, das fast sofort Schmerz, Rötung und Schwellung auslöst. Laut dem Merck Veterinary Manual treffen Stiche bei Hunden und Katzen am häufigsten das Gesicht oder das Innere des Mauls, was gut dazu passt, wie Hunde ihre Umgebung mit der Nase und dem Maul erkunden. Eine Schwellung kann sich schon wenige Minuten nach dem Stich zeigen.

Zwischen den beiden Insekten gibt es einen praktischen Unterschied. Eine Honigbiene hat einen Widerhaken am Stachel, der deshalb samt Giftblase in der Haut stecken bleibt, die Biene stirbt dabei. Wespen, Hornissen und andere staatenbildende Faltenwespen haben einen glatten Stachel, hinterlassen also nichts und können mehrfach zustechen. Findest du einen Stachel in der Haut, war es also fast sicher eine Biene.

Die meisten Stiche heilen von selbst ab. Eine Übersichtsarbeit in Clinical Techniques in Small Animal Practice beschreibt die typische, örtlich begrenzte Reaktion mit Rötung, Schwellung und Schmerz als etwas, das sich von allein zurückbildet, oft innerhalb weniger Stunden und in der Regel binnen eines Tages. Manche Hunde entwickeln eine ausgedehntere Reaktion über eine größere Fläche, und einige wenige zeigen eine allergische Reaktion des ganzen Körpers, die nichts damit zu tun hat, wie oft sie gestochen wurden.

Woran erkenne ich, dass mein Hund gestochen wurde?

Oft bekommst du den eigentlichen Moment gar nicht mit. Was du meistens mitbekommst, ist ein plötzliches Aufjaulen im Sommer draußen, gefolgt von:

  • einer geschwollenen Beule, manchmal deutlich gerötet
  • Lecken, Knabbern oder Kratzen an einer bestimmten Stelle
  • Hochhalten einer Pfote oder Hinken
  • Pfoten im Gesicht oder am Maul
  • Speicheln
  • Winseln
  • Quaddeln, also erhabenen, juckenden Hautveränderungen, verteilt über den Körper

PDSA nennt leichte Schwellung, Beschäftigung mit der Einstichstelle und Hinken als typische Zeichen einer milden Reaktion, die sich meist zu Hause gut betreuen lässt. Quaddeln verdienen eine eigene Erwähnung: Sie entstehen, weil Mastzellen Histamin in die Haut ausschütten, und klingen zwar oft innerhalb von 12 bis 48 Stunden ab, können aber auch der erste Schritt einer größeren Reaktion sein. Deshalb bedeuten Quaddeln nach einem Stich immer: genauer hinschauen, nicht weniger aufmerksam sein.

Erste Hilfe: was in den ersten zehn Minuten zu tun ist

  1. Deinen Hund von der Stelle wegführen: Wespen und Hornissen können mehrfach stechen, und ein gestörtes Nest bedeutet weitere Stiche. Geh, wenn möglich, ruhig weg statt mit dem Hund zu rennen, und schau nach, ob noch Insekten im Fell sitzen.
  2. Nach einem Stachel schauen: Ist einer sichtbar, entfern ihn zügig. Die Erste-Hilfe-Hinweise von Veterinary Partner schlagen vor, ihn mit einer Kreditkarte oder einem ähnlich steifen Gegenstand herauszuschaben, oder ihn im Zweifel mit einer Pinzette zu fassen, wenn das schneller geht, denn Geschwindigkeit zählt hier mehr als die Technik. Andere Quellen wie PDSA und Blue Cross raten weiterhin davon ab, die Giftblase zu quetschen, um nicht noch mehr Gift hineinzudrücken. Ehrlich gesagt gehen die Empfehlungen hier auseinander, einig sind sich aber alle darin, dass ein steckengebliebener Stachel weiter Gift abgibt. Entfern ihn also zügig und mach dir wegen der genauen Methode keine allzu großen Gedanken.
  3. Nicht lange im Fell herumsuchen: Eine lange, akribische Suche nach einem Stachel im dichten Fell lohnt weder den Aufwand noch den Stress, und bei Wespen findest du ohnehin keinen.
  4. Die Stelle kühlen: Ein kaltes, feuchtes Tuch oder ein in ein Geschirrtuch gewickelter Kühlakku lindert Schmerzen und begrenzt die Schwellung. Veterinary Partner empfiehlt, drei bis vier Tage lang drei- bis viermal täglich kühlende Umschläge aufzulegen. Hör damit auf, wenn deinem Hund die Kälte offensichtlich unangenehm ist.
  5. Lecken und Reiben unterbinden: Ein Halskragen verhindert, dass dein Hund die Stelle zu einer schlimmeren Wunde beknabbert. Das ist besonders bei kurzköpfigen Rassen wichtig, bei denen ein geschwollenes Gesicht, das über Teppich oder Möbel gerieben wird, die Augen verletzen kann.
  6. Bei deinem Hund bleiben und beobachten: mindestens die erste halbe Stunde, besser länger. Das ist das Wichtigste, was du tun kannst.

Darf ich meinem Hund ein Antihistaminikum geben?

Nicht ohne vorherige Rücksprache mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Manche Antihistaminika für Menschen werden auch bei Hunden eingesetzt, andere wirken nicht ausreichend, und manche sind tatsächlich gefährlich. Die richtige Dosis hängt vom Wirkstoff und vom Körpergewicht deines Hundes ab. Blue Cross formuliert das sehr klar, und es lohnt sich, es zu wiederholen: Gib niemals ein Antihistaminikum, ohne vorher mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt sowohl das genaue Präparat als auch die Menge abzuklären. Menschliche Schmerzmittel sind ebenfalls tabu.

Ein kurzer Anruf dauert zwei Minuten, und deine Tierarztpraxis rät dir vielleicht sogar zu etwas, das du bereits zu Hause hast. Hausmittel wie Essig oder eine Paste aus Natron schaden wahrscheinlich nicht, bringen aber auch nicht viel.

Wann wird ein Bienen- oder Wespenstich zum Notfall?

Drei Situationen machen aus einem lästigen Stich ein dringendes Problem: eine allergische Reaktion des ganzen Körpers, ein Stich im Maul oder Rachen und eine große Zahl von Stichen auf einmal.

Anzeichen eines allergischen Schocks (Anaphylaxie)

Anaphylaxie ist eine schwere allergische Reaktion des gesamten Körpers. Sie hängt nicht von der Giftmenge ab, ein einziger Stich kann sie also auch bei einem Hund auslösen, der schon einmal problemlos gestochen wurde. Die Anzeichen zeigen sich meist innerhalb von etwa 5 bis 30 Minuten nach dem Stich und entwickeln sich rasch, und je schneller sie beginnen, desto schwerer verläuft die Reaktion tendenziell, so MSPCA-Angell. Lebensbedrohliche Zeichen setzen meist innerhalb der ersten rund zehn Minuten ein.

Fahr sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt, wenn du eines dieser Anzeichen siehst:

  • Kollaps, plötzliche Schwäche oder wackliger Gang
  • erschwerte Atmung, geräuschvolles Atmen oder schnelle, angestrengte Atmung
  • blasses Zahnfleisch
  • Erbrechen oder Durchfall, besonders mit Blut darin
  • rasch fortschreitende Schwellung, vor allem im Gesicht, an Augen, Ohren, Maul oder Rachen
  • großflächige Quaddeln
  • ein Krampfanfall

Ein Punkt überrascht viele Halterinnen und Halter. Bei Hunden sind Darm und Leber die Hauptorgane, die bei einem Schock betroffen sind, nicht die Haut. Ein Hund im anaphylaktischen Schock kann also plötzlich erbrechen, Durchfall bekommen und kollabieren, ganz ohne Quaddeln oder Schwellung im Gesicht. In einer retrospektiven Studie, zusammengefasst von Clinician's Brief, zeigte mehr als die Hälfte der Hunde mit Anaphylaxie überhaupt keine Hautveränderungen. Plötzliches Erbrechen oder ein Kollaps nach einem Stich ist also auch dann ein Notfall, wenn dein Hund äußerlich unauffällig wirkt.

Die beruhigende Seite: Ein schwerer allergischer Schock ist selten. Die American Animal Hospital Association beziffert die Häufigkeit von Anaphylaxie bei Hunden auf rund 0,04 Prozent der Fälle, mildere allergische Reaktionen sind deutlich häufiger, und die Überlebensrate liegt laut Literatur bei etwa 85 Prozent, wobei die Behandlung oft intensivmedizinische Betreuung erfordert.

Ein Stich im Maul oder Rachen

Das verdient eine eigene Notfallkategorie. Ein Stich am oder nahe dem Kehlkopf verursacht eine akute Schwellung, die die Atemwege verlegen kann. Tiermedizinisches Lehrmaterial, veröffentlicht über das Veterinary Information Network, weist darauf hin, dass Kortison diese Schwellung nicht schnell genug abklingen lässt, um zu helfen. Hunde in dieser Situation brauchen mitunter eine Sedierung und einen Beatmungsschlauch. Hat dein Hund nach Insekten geschnappt und beginnt danach stark zu sabbern, zu würgen, geräuschvoll oder angestrengt zu atmen, oder ist die Zunge oder der Rachen sichtbar geschwollen, behandle das als sofortigen Notfall.

Mehrere Stiche

Eine massive Giftmenge kann selbst einen Hund ohne Allergie umbringen, rein durch die Menge des Gifts. Die geschätzte tödliche Dosis liegt bei den meisten Säugetieren bei etwa 20 Stichen pro Kilogramm Körpergewicht, bei einem 10-kg-Hund wären das also rund 200 Stiche. Deutlich unter diesem Wert können mehrere Stiche trotzdem eine ernsthafte Erkrankung auslösen: Zerstörung roter Blutkörperchen, Nierenschäden, Leberschäden und Gerinnungsstörungen wurden alle schon beschrieben. Ein veröffentlichter Fallbericht in Frontiers in Veterinary Science beschreibt einen kleinen Terrier, der über 100-mal von Papierwespen gestochen wurde, sofort teilnahmslos wirkte, am nächsten Tag Erbrechen und Durchfall entwickelte und trotz intensiver Behandlung an Multiorganversagen starb.

Hat dein Hund ein Nest gestört und wurde mehrfach gestochen, ruf noch am selben Tag deine Tierarztpraxis an, auch wenn er munter wirkt.

Worauf in den folgenden Tagen achten?

Die meisten Schwellungen gehen innerhalb von Stunden merklich zurück und sind nach ein bis zwei Tagen verschwunden. Beobachte deinen Hund trotzdem weiter, denn manche Probleme zeigen sich erst später:

  • Verzögerte oder wiederkehrende Symptome: Allergische Reaktionen können zweiphasig verlaufen, das heißt, sie klingen ab und kehren dann zurück. In der Fachliteratur wird ein Zeitfenster von 1 bis 72 Stunden beschrieben, am häufigsten etwa 8 bis 10 Stunden nach der ersten Episode.
  • Dunkler, roter oder brauner Urin: Das kann auf den Zerfall roter Blutkörperchen hindeuten. Dieses Symptom wurde bereits nach einem einzigen Wespenstich beschrieben und braucht noch am selben Tag tierärztliche Abklärung.
  • Mattigkeit, schlechter Appetit oder wiederholtes Erbrechen in den folgenden Tagen: Verzögerte Komplikationen wie Nierenschäden und Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) wurden nach Stichen beschrieben, meist zeigen sie sich innerhalb der folgenden zwei bis drei Tage.
  • Gelbfärbung von Zahnfleisch, Augen oder Haut: Gelbsucht deutet auf eine Beteiligung der Leber oder auf den Zerfall roter Blutkörperchen hin und ist dringend abklärungsbedürftig.
  • Eine Beule, die bleibt, härter wird oder Ausfluss zeigt: Ein zurückgebliebener Bienenstachel kann zu einem Abszess führen.

Wie beuge ich künftig vor?

Einen neugierigen Hund kannst du nicht komplett schützen, aber du kannst die Wahrscheinlichkeit senken. Bienen fühlen sich von dunklen Farben und starken Düften angezogen und werden durch Schweißgeruch und das Kohlendioxid aus der Atemluft eines Tieres im Gesicht aufgeschreckt. Meide blühende Wiesenflächen, in denen gerade viele Insekten unterwegs sind, halte Essplätze im Freien und Mülltonnen sauber, weil Wespen von Essensresten angezogen werden, und verzichte auf stark parfümierte Shampoos. Ein zuverlässiger Rückruf hilft wirklich weiter, denn ein Hund, der auf Zuruf kommt, ist ein Hund, der nicht nach einer Wespe schnappt.

Hatte dein Hund bereits eine schwere Reaktion, sprich das beim nächsten Besuch in der Tierarztpraxis an. Eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift, bei der winzige, ansteigende Dosen des Gifts verabreicht werden, um die Empfindlichkeit zu senken, wurde bei Hunden mit nachgewiesener Überempfindlichkeit gegen Stiche von Bienen, Wespen und verwandten Insekten erprobt und in einer kleinen Studie gut vertragen, größere Studien fehlen aber noch, um zu zeigen, wie gut sie künftige Reaktionen tatsächlich verhindert. Die Verfügbarkeit unterscheidet sich stark von Land zu Land, sprich das also am besten direkt mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.

Kurz zusammengefasst

Ein einzelner Stich an Pfote oder Fang, mit leichter Schwellung und einem beleidigten Hund, braucht meist nur einen kühlen Umschlag und einen Nachmittag Aufsicht. Was die Lage verändert, sind der Ort des Stichs und die Reaktion des gesamten Körpers: Schwellung nahe Maul oder Rachen, veränderte Atmung, Kollaps, plötzliches Erbrechen oder Durchfall, blasses Zahnfleisch oder eine ganze Wolke von Stichen. Das braucht sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt, kein Abwarten. Bist du dir unsicher, in welche Kategorie die Situation fällt, ruf einfach in deiner Tierarztpraxis an und schildere, was du beobachtest. Dieser Anruf kostet dich nichts, und genau dafür ist die Praxis da.

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