
Erbrechen
Erbrechen bei Hunden und Katzen kann harmlos sein oder auf eine ernste Erkrankung hinweisen. Diese Warnzeichen helfen dir zu erkennen, wann ein Tierarztbesuch nötig ist.
Auch bekannt als Erbrechen beim Hund, Erbrechen bei der Katze, Hund muss sich übergeben, Katze muss sich übergeben, Hund erbricht, Katze erbricht, Magenverstimmung bei Hund und Katze
Erbrechen ist einer der häufigsten Gründe, warum Tierhalterinnen und Tierhalter nach einer Tierärztin oder einem Tierarzt suchen, und das aus gutem Grund: Es kann fast alles bedeuten, von einer Katze, die ein Haarballen loswird, bis hin zu einem Hund mit einem lebensbedrohlichen Darmverschluss. Die Kunst liegt darin, die Ursache richtig einzuschätzen, und ein paar Grundkenntnisse helfen dabei.
Zunächst solltest du wissen, dass Erbrechen nicht dasselbe ist wie Regurgitieren (Aufstoßen), auch wenn Tierhalter die Begriffe oft synonym verwenden. Regurgitieren ist ein passiver Vorgang, bei dem unverdaute Nahrung wieder hochkommt, oft noch genauso aussehend wie beim Schlucken, manchmal röhrenförmig geformt durch die Speiseröhre, und es kann direkt nach dem Fressen auftreten, ganz ohne Würgen. Echtes Erbrechen dagegen ist ein aktiver, anstrengender Vorgang mit Würgebewegungen und Bauchmuskelkontraktionen, und was dabei herauskommt, ist meist zumindest teilweise verdaut. Diese Unterscheidung ist medizinisch wichtig, denn beide Vorgänge deuten auf unterschiedliche Körperregionen hin: Regurgitieren weist meist auf ein Problem mit der Speiseröhre hin, während Erbrechen eher auf Magen, Darm oder eine ganze Reihe weiterer möglicher Ursachen hindeutet.
Tierärztinnen und Tierärzte unterscheiden beim Erbrechen außerdem nach dem zeitlichen Verlauf. Akutes Erbrechen beginnt plötzlich und hält nur kurze Zeit an, in der Regel wenige Tage oder weniger. Chronisches Erbrechen bezeichnet Erbrechen, das über einen längeren Zeitraum anhält oder immer wiederkehrt. Als grobe Faustregel gilt dabei etwa eine Woche als Grenze, ab der aus einem „Beobachten“ ein „gründliches Abklären“ werden sollte. Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil chronisches Erbrechen definitionsgemäß entweder durchgehend oder immer wieder auftretendes Erbrechen über mindestens 7 Tage bedeutet, was sich vom akuten oder „gewöhnlichen“ Erbrechen unterscheidet, das ein kurzfristiges Problem darstellt. Einmaliges Erbrechen bei einem Tier, das ansonsten munter ist, normal frisst und trinkt, klingt oft von selbst wieder ab. Ein einzelner Erbrechensanfall ohne Mattigkeit oder Appetitverlust, bei einem Tier mit normalem Kotabsatz, kann sich mit einer kurzen Fastenpause und leicht verdaulicher Schonkost von selbst bessern. Chronisches Erbrechen ist etwas anderes, da es meist auf eine zugrunde liegende Erkrankung statt auf eine vorübergehende Verstimmung hinweist. Die Ursache herauszufinden erfordert dann meist eine Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren oder manchmal eine Magenspiegelung (Endoskopie).
Die möglichen Ursachen reichen von harmlos bis lebensbedrohlich. Häufige Alltagsauslöser sind Indiskretionen beim Fressen (das Verschlucken von etwas Ungeeignetem), plötzliche Futterumstellungen oder ein leicht gereizter Magen. Erbrechen kann aber auch auf etwas viel Ernsteres hinweisen: verschluckte Spielzeuge oder Knochen, die einen Darmverschluss verursachen, giftige Substanzen wie Frostschutzmittel oder bestimmte Pflanzen, Infektionen wie Parvovirose bei Hunden, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Nieren- oder Lebererkrankungen oder sogar Krebs. Erbrechen kann durch viele Erkrankungen ausgelöst werden, darunter Erkrankungen des Verdauungstrakts, Nieren- oder Leberversagen, Pankreatitis, Erkrankungen des Nervensystems sowie die Aufnahme reizender Substanzen und Giftstoffe. Deshalb kann dasselbe Symptom bei zwei verschiedenen Tieren völlig unterschiedliche Ursachen haben, und deshalb sind die Fragen der Tierärztin oder des Tierarztes zu Zeitpunkt, Häufigkeit und Aussehen des Erbrochenen keine bloße Neugier, sondern wichtige Hinweise für die Diagnose.
Bei bestimmten Anzeichen solltest du noch am selben Tag oder sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt gehen, statt abzuwarten:
- Wiederholtes oder anhaltendes Erbrechen, besonders in Kombination mit Mattigkeit oder Appetitlosigkeit
- Blut im Erbrochenen, ob hellrot oder wie Kaffeesatz aussehend
- Würgen ohne dass etwas hochkommt, besonders bei Hunden mit tiefem Brustkorb, was auf eine Magendrehung mit Aufgasung hindeuten kann
- Anzeichen von Schmerzen, ein aufgeblähter Bauch, blasses Zahnfleisch oder Kollaps
- Bekannter oder vermuteter Kontakt mit Giftstoffen, Fremdkörpern oder Dingen wie Schokolade, Weintrauben oder Haushaltschemikalien
Anhaltendes Erbrechen in Kombination mit Mattigkeit oder Appetitlosigkeit gilt als medizinischer Notfall und sollte nicht zu Hause abgewartet werden. Abgesehen von diesen Warnzeichen ist Erbrechen bei Hunden und Katzen so verbreitet, dass gelegentliche Episoden nicht automatisch beunruhigend sind. Anhaltende oder ungewöhnliche Muster verdienen jedoch eine gründliche tierärztliche Untersuchung statt Vermutungen auf eigene Faust. Die folgenden Ratgeber gehen näher auf einzelne Ursachen, die Pflege zu Hause und den typischen Ablauf eines Tierarztbesuchs wegen Erbrechen ein.




