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Ratgeber
Schlafende Katze, eingewickelt in einer Decke

Katze frisst nicht mehr: Was du tun kannst und wann es zum Notfall wird

Deine Katze frisst nicht mehr? Erfahre, warum das passiert, wie du sie sanft zum Fressen animierst, welche Warnzeichen zur Tierärztin gehören und warum es bei Katzen schnell gehen muss.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Frisst eine Katze länger als etwa 24 Stunden wenig oder gar nichts, gehört das abgeklärt, nicht abgewartet
  • Übergewichtige Katzen sind schon nach wenigen Tagen ohne Futter ernsthaft durch eine Fettleber gefährdet
  • Futter anwärmen, stark riechendes Nassfutter anbieten und in ruhiger Umgebung füttern regt den Appetit an
  • Zwinge deiner Katze niemals ohne tierärztliche Anleitung Futter ins Maul oder per Spritze ein
  • Gelbe Schleimhäute oder Augen, wiederholtes Erbrechen, Zusammenbruch oder Wasserverweigerung sind Notfälle
  • Vereinbare einen Termin, während du sie zu Hause zum Fressen animierst, nicht statt des Termins

Wenn deine Katze sich vom Futternapf abwendet, hofft man leicht, sie sei einfach nur wählerisch. Manchmal stimmt das auch. Doch eine Katze, die nicht mehr frisst, kann viel schneller in ernste Schwierigkeiten geraten als ein Hund, und ein verlorener Appetit ist eines der häufigsten frühen Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dieser Ratgeber ist für Katzenhalterinnen und Katzenhalter, die wissen möchten, warum das passiert, was sie zu Hause gefahrlos versuchen können und, was am wichtigsten ist, wann sie zum Hörer greifen und in der Tierarztpraxis anrufen sollten.

Verstehe das als praktische Orientierung, nicht als Diagnose. Wenn dich hier irgendetwas beunruhigt, ist deine Tierärztin oder dein Tierarzt die richtige Anlaufstelle.

Warum das Nichtfressen bei Katzen ernster ist als bei Hunden

Katzen sind anders gebaut als wir und als Hunde. Wenn eine Katze aufhört zu fressen, beginnt ihr Körper, Fettreserven zur Leber zu schicken, um Energie zu gewinnen. Bei vielen Katzen, vor allem bei solchen mit ein paar Kilo zu viel, kommt die Leber mit dieser Fettflut schlicht nicht zurecht, und das Fett lagert sich in den Leberzellen ein. Diese Erkrankung nennt man hepatische Lipidose oder Fettleber.

Die hepatische Lipidose ist eine potenziell tödliche Erkrankung, die entstehen kann, wenn eine Katze mehrere Tage hintereinander nicht frisst. Das Tückische daran ist der Teufelskreis, den sie in Gang setzt: Hat eine Katze erst einmal eine hepatische Lipidose, fängt sie in der Regel nicht von allein wieder an zu fressen.

Übergewichtige Katzen sind am stärksten gefährdet. Meist hat eine Katze mit hepatischer Lipidose zuvor drei bis vier Tage am Stück wenig oder gar nichts gefressen (Anorexie), und die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher, wenn die Katze vorher übergewichtig oder fettleibig war.

Deshalb passt die übliche Devise „warten wir einen oder zwei Tage ab" bei Katzen nicht. Schon kurze Phasen (nur drei Tage), in denen sie weniger frisst als sonst, können deutliche Folgen für die Gesundheit deiner Katze haben. Anders als Hunde, die eine Weile mit weniger Futter zurechtkommen, müssen Katzen rasch behandelt werden.

Wie lange kommt eine Katze ohne Futter aus?

Es gibt keine einzelne Zauberzahl, und es hängt vom Gewicht, Alter und der Gesamtsituation deiner Katze ab. Als praktische Faustregel:

  • Eine gesunde erwachsene Katze, die eine Mahlzeit auslässt, ansonsten aber wach, aktiv ist und trinkt, kannst du in der Regel zu Hause beobachten.
  • Eine Katze, die rund 24 Stunden wenig oder nichts frisst oder über mehrere Tage deutlich weniger als sonst, gehört telefonisch in der Tierarztpraxis gemeldet.
  • Eine übergewichtige Katze, ein Kitten, ein Senior, eine trächtige Katze oder eine Katze mit bekannter Erkrankung (Diabetes, Nierenerkrankung) sollte eher früher als später untersucht werden, weil bei ihnen weniger Spielraum bleibt.

Verweigert deine Katze sowohl Futter als auch Wasser, behandle das als dringend, nicht als Routine.

Was bringt eine Katze dazu, nicht mehr zu fressen?

Ein verminderter Appetit ist ein Symptom, keine Krankheit. Inappetenz bezeichnet einen verringerten Appetit, ein häufiges Krankheitszeichen bei Katzen. Die Liste möglicher Ursachen ist lang, häufig sind aber:

  • Zahn- und Maulschmerzen durch Zahnerkrankungen, einen abgebrochenen Zahn oder Geschwüre im Maul. Bei einem schmerzenden Maul geht die Katze oft an den Napf und zieht sich dann zurück.
  • Übelkeit und Magen-Darm-Probleme, etwa eine chronische Darmentzündung, Haarballen oder ein verschluckter Fremdkörper. Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind eine häufige Ursache, dazu zählen alle Probleme, die mit Erbrechen, Bauchschmerzen und/oder weichem Kot einhergehen.
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie Gallenblasen- oder Lebererkrankungen: Eine Pankreatitis und eine Gallenblasenerkrankung (auch Cholangitis genannt) führen ebenfalls häufig zu einer hepatischen Lipidose.
  • Nierenerkrankungen, Diabetes und andere Organerkrankungen, die bei älteren Katzen sehr häufig sind.
  • Schmerzen jeglicher Art, von Arthrose bis zu einer verborgenen Verletzung.
  • Stress und Veränderungen zu Hause: Ein neues Tier, Umbauarbeiten, ein Umzug, ein Futterwechsel oder auch nur ein schmutziger oder schlecht platzierter Napf können ausreichen. Inappetenz kann durch Stress ausgelöst werden. In diesem Fall gilt es, die Stressquelle zu finden und zu verringern.

Manchmal findet sich keine einzelne Ursache. Bei etwa 30 % der Katzen bleibt der Grund für die Fetteinlagerung in der Leber ungeklärt, dann spricht man von einer idiopathischen hepatischen Lipidose.

Was du zu Hause gefahrlos versuchen kannst

Wenn deine Katze noch wach ist und trinkt und du bereits einen Termin in der Tierarztpraxis organisierst, ist es sinnvoll, sie in der Zwischenzeit sanft zum Fressen zu animieren. Vereinbare den Termin und probiere diese Dinge, sieh das Anregen nicht als Ersatz für die Untersuchung.

  1. Wärme das Futter an. Nassfutter vorsichtig auf etwa Körpertemperatur zu erwärmen (niemals heiß) setzt den Duft frei und kann einen schwächelnden Appetit wecken. Teste es zuerst am eigenen Handgelenk.
  2. Biete stark riechendes Nassfutter an: Katzen fressen mit der Nase. Fischhaltiges Futter oder ein Löffel schlicht gegartes Hühnchen funktionieren oft, wenn Trockenfutter versagt.
  3. Reiche eine frische, kleine Portion: Futter, das stundenlang herumsteht, ist unappetitlich. Biete lieber eine kleine, frische Menge an als einen vollen Napf.
  4. Wähle den richtigen Napf: Nimm eine flache, breite Schale, damit die Schnurrhaare nicht an die Ränder stoßen, halte sie sauber und stelle Futter und Wasser abseits der Katzentoilette auf.
  5. Sorge für ruhige Mahlzeiten: Füttere deine Katze zu festen Zeiten in einer ruhigen, stressarmen Umgebung und halte Futter- und Wassernäpfe sauber und getrennt von der Katzentoilette.
  6. Biete von Hand an oder gib etwas Wasser dazu: Eine winzige Menge Thunfischwasser oder klare Brühe (ohne Zwiebel und Knoblauch) kann das Futter verlockender machen und liefert Flüssigkeit.

Was du nicht tun solltest

  • Füttere nicht auf eigene Faust zwangsweise oder per Spritze: Das ist ein häufiger und gefährlicher Fehler. Katzen sollten niemals zum Fressen gezwungen werden (Spritzenfütterung), da dies emotionalen Stress oder schwere gesundheitliche Komplikationen verursachen kann, wenn die Katze Futter einatmet. Eine Fütterungshilfe, wenn nötig, richtet deine Tierärztin oder dein Tierarzt sicher ein.
  • Gib keine Schmerzmittel für Menschen oder Essensreste als Notlösung: Viele alltägliche Humanarzneimittel sind für Katzen giftig.
  • Wechsle nicht tagelang immer wieder das Futter, während deine Katze gar nichts frisst. Die Jagd nach dem „richtigen" Geschmack verschwendet genau die Zeit, die eine Katze nicht hat.

Achte auf Austrocknung

Eine Katze, die nicht frisst, trinkt oft auch nicht genug, und eine Austrocknung (Dehydratation) tritt schnell ein. Wenn deine Katze keine Flüssigkeit aufnimmt, sie aber weiter verbraucht, kommt es rasch zur Austrocknung.

Ein einfacher Test zu Hause: Wenn sich die Haut über den Schulterblättern deiner Katze nur langsam wieder glättet, statt sofort zurückzuschnellen, kann das ein Zeichen für Austrocknung sein. Trockenes, klebriges Zahnfleisch und eingesunkene Augen sind weitere Warnzeichen. Du kannst Wasser, Nassfutter oder etwas klare Brühe anbieten, aber wenn deine Katze keine Flüssigkeit freiwillig aufnimmt, warte, bis du zur Tierklinik kommst, statt ihr Flüssigkeit einzuflößen.

Wann du zur Tierärztin oder zum Tierarzt gehen solltest

Ruf in der Praxis an, wenn deine Katze etwa 24 Stunden wenig oder nichts gefressen hat oder über mehrere Tage deutlich weniger frisst als sonst. Wenn deine Katze nicht mehr so frisst wie gewohnt oder wählerisch geworden zu sein scheint, wende dich an deine Tierarztpraxis, denn die zugrunde liegende Ursache sollte so früh wie möglich abgeklärt werden. Übergewichtige Katzen, Kitten, Senioren und Katzen mit bestehenden Erkrankungen sollten sogar noch früher untersucht werden.

Anzeichen, bei denen du sofort handeln musst

Behandle diese als Notfall und wende dich umgehend an deine Tierarztpraxis oder eine Notfallklinik:

  • Gelbfärbung (Gelbsucht) des Zahnfleisches, des Augenweißes oder der Haut im Inneren der Ohren. Mögliche Anzeichen einer hepatischen Lipidose sind Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut), Teilnahmslosigkeit, Schwäche, Erbrechen und Verhaltensänderungen.
  • Wiederholtes Erbrechen oder Durchfall oder Erbrechen, bei dem Futter und Wasser nicht drinbleiben.
  • Deutliche Schwäche, Zusammenbruch oder starkes Verstecken und untypisches Verhalten.
  • Verweigerung von jeglichem Wasser oder deutliche Anzeichen von Austrocknung.
  • Schneller, plötzlicher Gewichtsverlust: Ein plötzlicher und starker Gewichtsverlust ist häufig, manche Katzen verlieren in kurzer Zeit die Hälfte ihres Körpergewichts.
  • Pressen auf der Katzentoilette, besonders bei Katern, was auf eine lebensbedrohliche Verstopfung der Harnwege hindeuten kann.
  • Ein Bauchgefühl, dass etwas ernsthaft nicht stimmt: Du kennst deine Katze. Vertraue darauf.

Was die Tierärztin oder der Tierarzt macht

Die erste Aufgabe ist herauszufinden, warum deine Katze aufgehört hat zu fressen, denn nur die Behandlung der Ursache dreht die Sache um. Es können weitere diagnostische Tests durchgeführt werden, um herauszufinden, warum die Katze ursprünglich aufgehört hat zu fressen. Ist die Ursache behandelbar oder behoben, ist die Prognose recht gut. Rechne mit einer körperlichen Untersuchung, einem Blick ins Maul, oft mit Blutuntersuchungen und manchmal einer Bildgebung wie einem Ultraschall.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Nährstoffversorgung sicher wiederherzustellen, Übelkeit und Schmerzen zu lindern und die Austrocknung auszugleichen. Es kann ein appetitanregendes Medikament verordnet werden. Bei Katzen, die länger nicht fressen, ermöglicht eine Ernährungssonde, dass sie zu Hause mit Unterstützung des Praxisteams versorgt werden können. Eine Ernährungssonde klingt beunruhigend, aber Katzen vertragen sie meist sehr gut, und sie nimmt dir das tägliche Ringen ums Futter ab, während deine Katze sich erholt.

Das Wichtigste in Kürze

Eine Katze, die nicht mehr frisst, will dir etwas sagen. Der sicherste Plan ist einfach: Versuche zu Hause sanft, sie zum Fressen zu bewegen, während du einen Termin in der Tierarztpraxis vereinbarst, achte genau auf Austrocknung und Gelbsucht und füttere niemals zwangsweise. Weil Katzen so anfällig für eine Fettleber sind, zählen hier Tage in einem Maß, wie es bei Hunden nicht der Fall ist. Frühes Handeln bedeutet meist eine leichtere Behandlung und eine schnellere Genesung für deine Katze.