
Ist meine Katze zu dick? So erkennst du Übergewicht und hilfst sicher beim Abnehmen
Ein praktischer Leitfaden, um zu erkennen, ob deine Katze übergewichtig ist, welche Gesundheitsrisiken drohen und wie du ihr sicher beim Abnehmen hilfst, ohne Crash-Diät.
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Das Wichtigste in Kürze
- Rippen ertasten, Taille von oben prüfen und den Bauch von der Seite auf einen leichten Schwung kontrollieren
- Einen Body Condition Score von etwa 5 von 9 anstreben und vom Tierarzt oder von der Tierärztin bestätigen lassen
- Nie eine Crash-Diät machen, da plötzliche Kalorienreduktion eine Fettleber auslösen kann
- Mahlzeiten mit einer Küchenwaage abwiegen und Leckerlis zur Tagesmenge dazuzählen
- Kurze tägliche Spieleinheiten einplanen und Futterbälle oder Intelligenzspielzeug nutzen, um das Fressen zu verlangsamen
- Vor Beginn eines Abnehmplans einen Tierarztbesuch einplanen und das Gewicht regelmäßig kontrollieren
Wenn du deine Katze in letzter Zeit angesehen und dich gefragt hast, ob der runde Bauch nur Fell ist oder doch mehr, dann stellst du dir die richtige Frage. Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Hauskatzen, und die zusätzlichen Kilos schleichen sich so langsam an, dass viele Besitzerinnen und Besitzer es erst bemerken, wenn die Tierärztin oder der Tierarzt darauf hinweist. Die gute Nachricht: Das Problem lässt sich beheben, und schon kleine Veränderungen zu Hause bewirken viel. Dieser Leitfaden hilft dir zu prüfen, ob deine Katze zu dick ist, zu verstehen, was das Übergewicht im Körper anrichtet, und die richtigen nächsten Schritte zu gehen.
Vorab ein wichtiger Hinweis: Eine Gewichts- oder Appetitveränderung in beide Richtungen kann auf eine Erkrankung hindeuten, und Katzen verstecken Krankheiten sehr gut. Dieser Artikel bietet allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt bestätigt das ideale Gewicht deiner Katze und schließt medizinische Ursachen aus.
Woran erkenne ich, ob meine Katze übergewichtig ist?
Die Zahl auf der Waage sagt für sich genommen wenig aus, denn eine großrahmige Katze und eine zierliche können sich um ein Kilo unterscheiden und trotzdem beide gesund sein. Tierärztinnen und Tierärzte beurteilen das Gewicht mit einer Tastuntersuchung, dem sogenannten Body Condition Score. Dabei wird die Katze angeschaut und gleichzeitig das Fettpolster über den Rippen, den knöchernen Punkten und der Taille ertastet. Eine vereinfachte Version davon kannst du zu Hause in einer Minute selbst durchführen. Mach das ruhig, wenn deine Katze entspannt ist.
Der Drei-Schritte-Check für zu Hause
- Rippen ertasten: Fahre sanft mit den Händen an beiden Seiten des Brustkorbs entlang. Bei gesundem Gewicht spürst du die Rippen leicht unter einer dünnen Fettschicht. Musst du fest drücken, um sie zu finden, oder spürst du sie gar nicht, ist zu viel Fett vorhanden.
- Von oben betrachten: Stell dich über deine stehende Katze und schau von oben herab. Du solltest eine sichtbare Taille erkennen, eine leichte Einbuchtung hinter den Rippen. Gerade Flanken oder eine nach außen gewölbte Silhouette deuten auf Übergewicht hin.
- Von der Seite betrachten: Eine Katze mit gesundem Gewicht hat einen Bauch, der hinter dem Brustkorb leicht nach oben gezogen ist, statt auf gleicher Höhe mit der Brust zu hängen oder tiefer.
Was die Punktzahl bedeutet
Die meisten Tierärztinnen und Tierärzte nutzen eine neunstufige Skala. Auf dieser Skala für Katzen gilt ein Wert von 5 von 9 als ideal, Werte von 7 bis 9 sind ein Warnbereich, der eine genaue Untersuchung erfordert, aber für sich allein noch keine Diagnose darstellt. Die Skala ist deshalb hilfreich, weil sie sich direkt auf den tatsächlichen Körperfettanteil übertragen lässt: Jede Stufe über dem Idealwert entspricht ungefähr 10 Prozent mehr als das ideale Körpergewicht. Als grobe Definition gilt: Eine Katze mit mehr als 10 Prozent über dem Idealgewicht ist übergewichtig, ab 20 Prozent oder mehr spricht man von Adipositas.
Zwei Dinge solltest du wissen, bevor du dich nur auf deine eigene Einschätzung verlässt. Erstens neigen Besitzerinnen und Besitzer übergewichtiger Katzen dazu, den Körperzustand ihres Tieres zu unterschätzen, und halten eine übergewichtige Katze oft für genau richtig. Eine zweite Meinung von deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ist also wirklich sinnvoll. Zweitens werden Körperfett und Muskelmasse getrennt beurteilt, denn eine Katze kann gleichzeitig zu viel Fett tragen und Muskeln abbauen. Diese Kombination übersieht man zu Hause leicht, und gerade bei älteren Katzen ist sie besonders wichtig.
Warum macht ein bisschen zusätzliches Gewicht so viel aus?
Eine Katze ist ein kleines Tier, deshalb summieren sich kleine tägliche Überschüsse schnell. Eine 4 kg schwere Katze, die nur 10 Kilokalorien mehr am Tag frisst als sie braucht, etwa zehn Kroketten eines üblichen Trockenfutters, legt innerhalb eines Jahres fast ein halbes Kilo Fett zu. Das ist mehr als ein Zehntel ihres Körpergewichts, zugenommen, ohne dass jemand eine einzelne große Mahlzeit bemerkt hätte.
Die Folgen bauen sich leise auf:
- Diabetes: Übergewicht verringert die Insulinempfindlichkeit, und übergewichtige Katzen erkranken bis zu viermal häufiger an Diabetes als Katzen mit optimalem Gewicht. Wie die frühesten Anzeichen aussehen, erfährst du in unserem Leitfaden zu den ersten Anzeichen von Diabetes bei Katzen. Das Ermutigende dabei: Wird die Insulinresistenz reduziert, kann bei manchen Katzen sogar eine Remission eintreten, immer unter tierärztlicher Begleitung.
- Gelenkschmerzen und Arthrose: Zusätzliches Gewicht belastet die Gelenke stark, und Arthrose bei Katzen wird leicht übersehen, weil die meisten betroffenen Katzen niemals hinken. Stattdessen zeigen sich schleichende Veränderungen im Verhalten: weniger Springen, weniger Fellpflege, mehr Schlafen, eine veränderte Stimmung.
- Probleme mit Harnwegen und Haut: Übergewicht gilt als Risikofaktor für Erkrankungen der unteren Harnwege, für nicht-allergische Hautprobleme und für Lahmheit.
- Lebererkrankungen: Übergewichtige Katzen haben zudem ein höheres Risiko für eine hepatische Lipidose, die im Folgenden beschriebene, ernste Fettlebererkrankung.
- Höheres Narkoserisiko: Überschüssiges Fett steht im Zusammenhang mit Komplikationen bei Operationen und Narkosen, was bei jedem Eingriff eine Rolle spielt, auch bei einer routinemäßigen Zahnbehandlung.
- Kürzere Lebenserwartung: In einer großen praxisbasierten Studie hatten Katzen mit einem Body Condition Score von 9 ein höheres Sterberisiko als Katzen mit einem Wert von 6, und auch starkes Untergewicht war mit einer schlechteren Überlebensrate verbunden. Beide Extreme haben ihren Preis.
Das soll dir keine Angst machen. Es zeigt nur, warum Tierärztinnen und Tierärzte das Thema Gewicht so ernst nehmen, und warum schon eine moderate Gewichtsabnahme spürbar mehr Energie, Wohlbefinden und gute Laune bringt.
Warum hat meine Katze zugenommen?
Meist ist es eine Mischung aus ganz gewöhnlichen, gut nachvollziehbaren Gewohnheiten, nicht ein einzelner großer Fehler.
- Futter, das immer verfügbar ist: Katzen, die nach Belieben fressen können, weil der Napf tagsüber immer wieder aufgefüllt wird, sind häufiger übergewichtig als Katzen mit abgemessenen Mahlzeiten.
- Leckerlis und Tischreste: Leckerlis, menschliche Nahrung und alles, was zum Verabreichen von Medikamenten genutzt wird, zählt zur täglichen Kalorienmenge dazu und summiert sich bei einem so kleinen Tier schnell.
- Kastration: Nach der Kastration sinkt der Kalorienbedarf, während der Appetit meist steigt. Die Portion, die vor dem Eingriff richtig war, ist danach oft zu groß.
- Leben in der Wohnung und Bewegungsmangel: Reine Wohnungshaltung und geringe Aktivität gelten immer wieder als Risikofaktoren für Übergewicht bei Katzen, ebenso wie männliches Geschlecht, mittleres Alter und das Leben in einem Ein- oder Zweikatzenhaushalt.
- Geschätzte Portionen: Eine Portion mit einem Becher, einer Schaufel oder nach Augenmaß abzumessen, ist ungenau, und genau diese kleinen täglichen Überschüsse führen zu der langsamen Gewichtszunahme, die oben beschrieben wurde.
Gelegentlich hat eine Gewichtsveränderung eine medizinische Ursache. Eine Schilddrüsenüberfunktion zum Beispiel führt typischerweise zu Gewichtsverlust mit Muskelabbau, während viele betroffene Katzen dennoch übergewichtig wirken. Eine Katze, die abnimmt, obwohl sich an der Fütterung nichts geändert hat, sollte deshalb trotzdem untersucht werden. Sprich jede plötzliche Veränderung mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt an, statt sie nur auf die Kalorien zu schieben.
Wie helfe ich meiner Katze sicher beim Abnehmen?
Das ist der wichtigste Teil, und eine Regel steht über allen anderen.
Nie eine Crash-Diät bei einer Katze machen. Bei einer übergewichtigen Katze kann eine Phase mit gar keiner oder deutlich reduzierter Nahrungsaufnahme eine hepatische Lipidose auslösen, eine potenziell tödliche Erkrankung, bei der sich Fett in der Leber ablagert. Erzwungener Gewichtsverlust mit einem Futter, das die Katze nicht annimmt, gehört zu den bekannten Auslösern. Sicherer Gewichtsverlust geschieht langsam und immer mit einem Futter, das deine Katze tatsächlich frisst.
Beginne mit einem Tierarztbesuch
Bevor du irgendetwas veränderst, vereinbare einen Kontrolltermin. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt legt ein realistisches Zielgewicht fest, sucht nach zugrunde liegenden Erkrankungen und berechnet die tägliche Kalorienmenge. Ein vorsichtig gewähltes Ziel ist Absicht: Zu niedrig anzusetzen bedeutet, die Kalorien zu stark einzuschränken.
Möglicherweise empfiehlt dir deine Tierärztin oder dein Tierarzt auch ein therapeutisches Abnehmfutter. Diese sind ihren Preis wert, denn sie sind so angereichert, dass Nährstoffmängel während der Kalorienreduktion vermieden werden, enthalten mehr Eiweiß zum Schutz der Muskelmasse und nutzen Ballaststoffe und Feuchtigkeit, damit sich die Katze bei weniger Kalorien trotzdem satt fühlt. Gewöhnliches Light-Futter erfüllt selten alle drei Kriterien zuverlässig.
Dann folgen die praktischen Veränderungen zu Hause
- Jede Mahlzeit mit der Küchenwaage abwiegen: Messbecher und Schaufeln sind für so kleine Portionen zu ungenau. Wiege die von deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt vorgegebene Tagesmenge ab und teile sie auf mehrere kleine Mahlzeiten auf.
- Leckerlis als Futter mitzählen: Rechne sie in die Tagesmenge ein und ziehe sie von den Mahlzeiten ab. Für die meisten Katzen funktioniert es genauso gut, ein Leckerli durch Spielen, Bürsten oder ein paar Stückchen aus der Tagesration zu ersetzen.
- Das Fressen langsamer und aktiver gestalten: Futterbälle, Intelligenzspielzeug oder im Zimmer verstreutes Trockenfutter machen aus einer Mahlzeit eine kleine Jagd.
- Katzen getrennt füttern: In einem Mehrkatzenhaushalt verhindert das, dass die Katze auf Diät aus einem anderen Napf mitfrisst, und du siehst genau, wer was frisst.
- Kurze Spieleinheiten einbauen: Einer Untersuchung zufolge waren zehn Minuten aktives Spielen täglich ähnlich wirksam wie eine Kalorienreduktion, um übergewichtigen Katzen beim Abnehmen zu helfen. Steigere die Belastung langsam, denn eine untrainierte Katze sollte nicht überfordert werden.
- Nassfutter einplanen: Futter mit höherem Feuchtigkeitsgehalt liefert mehr Volumen bei weniger Kalorien, was einer hungrigen Katze hilft, sich satt zu fühlen.
Fortschritt verfolgen und geduldig bleiben
Ein häufig genutztes Ziel ist ein Gewichtsverlust von etwa 1 bis 1,5 Prozent des Körpergewichts pro Woche, individuell angepasst. Viele Katzen nehmen langsamer ab, und das ist völlig in Ordnung. Wiege deine Katze anfangs alle ein bis zwei Wochen (eine Küchen- oder Babywaage mit der Transportbox darauf funktioniert gut), führe ein einfaches Protokoll und rechne damit, dass der ganze Prozess Monate dauert. Regelmäßige Kontrolltermine sind wichtig, denn der Kalorienbedarf unterscheidet sich stark von Katze zu Katze, und der Plan muss meist angepasst werden, während das Gewicht sinkt. Viele Besitzerinnen und Besitzer berichten, dass ihre Katze aktiver wird und weniger bettelt, je schlanker sie wird.
Wann sollte ich zum Tierarzt?
Wende dich umgehend an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt, statt abzuwarten, wenn du eines der folgenden Anzeichen bemerkst.
- Deine Katze frisst nicht mehr: Bei einer übergewichtigen Katze ist das dringend, wegen des Leberrisikos solltest du um einen Termin noch am selben Tag bitten, statt abzuwarten. Unser Leitfaden dazu, was zu tun ist, wenn eine Katze nicht mehr frisst, erklärt die ersten Schritte.
- Anzeichen einer Fettleber: Deutlicher Gewichtsverlust, Antriebslosigkeit, Erbrechen, Speicheln, eine Gelbfärbung von Augen, Zahnfleisch oder Haut, oder eine Katze, die Kopf und Hals nach unten gebeugt hält. Behandle das als Notfall.
- Plötzlicher Gewichtsverlust oder plötzliche Gewichtszunahme: Besonders in Kombination mit vermehrtem Durst, größeren Urinklumpen in der Katzentoilette oder starkem Appetit trotz Gewichtsverlust.
- Pressen auf der Katzentoilette, Schmerzlaute beim Wasserlassen, oder wenig bis kein Urin: Das erfordert eine tierärztliche Untersuchung noch am selben Tag.
- Schwierigkeiten beim Atmen, Bewegen oder bei der Fellpflege: Eine Katze, die Teile ihres Fells nicht mehr erreicht, oder die Mühe hat zu springen oder sich bequem hinzulegen, sollte untersucht werden.
Frag im Zweifel auch einfach beim nächsten routinemäßigen Termin nach. Eine Beurteilung des Körperzustands und die Festlegung eines Zielgewichts dauern nur ein paar Minuten und geben dir einen klaren Ausgangspunkt.
Das Wichtigste in Kürze
Die meisten übergewichtigen Katzen sind durch kleine, gut gemeinte Gewohnheiten so geworden, wie sie sind, und genau diese Gewohnheiten sind es, die du änderst, um es umzukehren. Mach den Rippen- und Taillencheck noch heute, sei ehrlich zu dir selbst, was Leckerlis und Nachschlag angeht, und lass deine Tierärztin oder deinen Tierarzt Tempo und Ziel festlegen. Langsame Abnahme mit einem Futter, das deine Katze gerne frisst, ist der ganze Trick, und eine Katze mit gesundem Gewicht ist meist verspielter, fühlt sich wohler und bleibt dir länger erhalten.


