
Hund hat einen Wildpilz gefressen: Sofortmaßnahmen und die tödlichen Herbstpilze
Was tun, wenn dein Hund einen Wildpilz gefressen hat? Alle Sofortmaßnahmen, die gefährlichsten Herbstpilze und die Warnzeichen, bei denen du sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt musst.
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- Aufnahme von Giftstoffen
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Das Wichtigste in Kürze
- Rufe sofort deine Tierärztin, deinen Tierarzt oder eine Tierklinik an, auch wenn dein Hund sich gut fühlt
- Entferne Pilzreste und bewahre ein ganzes Exemplar in einer Papiertüte auf, nicht in Plastik
- Löse niemals von dir aus Erbrechen aus und gib keine Aktivkohle, es sei denn, ein Tierarzt weist dich dazu an
- Notiere dir den genauen Zeitpunkt der Aufnahme, denn Symptome, die erst nach sechs oder mehr Stunden auftreten, können auf lebensgefährliche Lebergifte hindeuten
- Werte eine scheinbare Besserung mit anschließend neuen Symptomen als Notfall, nicht als gutes Zeichen
- Kontrolliere deinen Garten nach Regenwetter und entferne Pilze, bevor du deinen Hund hinauslässt
Hat dein Hund gerade im Garten oder beim Waldspaziergang einen Pilz verschluckt, solltest du die Sache ernst nehmen, bis dir eine Tierärztin oder ein Tierarzt Entwarnung gibt. Die meisten Wildpilze verursachen höchstens Magenverstimmungen, doch einige wenige können die Leber deines Hundes zerstören, und ausgerechnet die gefährlichsten Arten zeigen im ersten halben Tag fast keine Symptome. Dieser Ratgeber erklärt, was in der ersten Stunde zu tun ist, nachdem dein Hund einen Wildpilz gefressen hat, welche Herbstpilze wirklich gefährlich sind und bei welchen Warnzeichen du sofort in eine Tierklinik musst statt bis zum nächsten Morgen zu warten.
Was tun, wenn mein Hund einen Wildpilz gefressen hat?
Gehe die folgenden Schritte der Reihe nach durch. Schnelligkeit zählt mehr als Gewissheit darüber, was dein Hund genau gefressen hat.
- Bring den Pilz von deinem Hund weg: Nimm ihm alles ab, was noch im Maul ist, und prüfe, ob in der Nähe weitere Exemplare wachsen. Wasch dir danach gründlich die Hände und halte Kinder sowie andere Haustiere von der Stelle fern.
- Ruf sofort deine Tierärztin, deinen Tierarzt oder eine Tierklinik an: Tu das auch dann, wenn dein Hund völlig gesund wirkt. Beschreibe, was du beobachtet hast, ungefähr wie viel gefressen wurde, wann es passiert ist, und wie viel dein Hund wiegt. Tierärztinnen und Tierärzte der UC Davis School of Veterinary Medicine betonen, dass Zeit hier der entscheidende Faktor ist, denn eine Art wie der Grüne Knollenblätterpilz kann für einen Hund schon in geringer Menge tödlich sein. Je nach Wohnort steht eventuell auch eine telefonische Giftnotrufzentrale für Tiere zur Verfügung.
- Sichere eine Probe: Nimm wenn möglich ein ganzes Exemplar mit, samt Stielbasis. Toxikologische Hinweise von dvm360 sind hier eindeutig: Pilze in ein feuchtes Papiertuch wickeln oder in eine Papiertüte legen, keinesfalls in Plastik verpacken, da dieser die Probe zersetzt und die Bestimmung erschwert.
- Heb auf, was dein Hund erbricht: Erbrochenes gehört laut Cornell University College of Veterinary Medicine neben Blut und Urin zu den Proben, die Labore bei lebenden Tieren tatsächlich untersuchen können. Auch ein Foto der Stelle, an der der Pilz gewachsen ist, ist hilfreich.
- Warte nicht darauf, die Art zu bestimmen: Es gibt Tausende Pilzarten, selbst Fachleute tun sich mit der Bestimmung schwer, und ein bereits angekauter und teilweise verdauter Pilz macht es noch schwieriger. Die Behandlung startet in der Annahme, dass der Pilz giftig war.
- Notiere die Uhrzeit: Der zeitliche Abstand zwischen dem Fressen und den ersten Krankheitszeichen ist eine der wichtigsten Angaben, die deine Tierärztin oder dein Tierarzt bekommen kann.
Der genaue Link oben kann variieren, im Zweifel nutzt deine Tierärztin oder dein Tierarzt die toxikologische Kurzübersicht von dvm360, auf die verwiesen wird.
Soll ich meinen Hund zu Hause zum Erbrechen bringen?
Nicht auf eigene Faust. Erbrechen auszulösen kann durchaus der richtige erste Schritt sein, aber nur bei einem Hund, der vollkommen wach ist und noch keinerlei Symptome zeigt, und nur wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt dazu geraten hat. Gefährlich wird es bei einem Hund, der bereits erbricht, wackelig auf den Beinen ist, benommen wirkt oder Krampfanfälle hat, weil dann die Gefahr besteht, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt.
Dasselbe gilt für Aktivkohle. Sie hilft bei vielen Vergiftungen wirklich, doch die Leitlinien der ASPCA stellen klar, dass sie keinem Tier gegeben werden darf, das seine Atemwege nicht selbst schützen kann, und bei dehydrierten Tieren oder gestörtem Natriumhaushalt nur mit Vorsicht eingesetzt werden sollte. Solche Entscheidungen gehören in die Tierarztpraxis, nicht in die eigene Küche.
Warum der Zeitpunkt der ersten Symptome so entscheidend ist
Das ist der wichtigste Punkt, den du zur Pilzvergiftung bei Hunden verstehen solltest.
Das Merck Veterinary Manual nennt eine grobe Faustregel: Pilze, die ein Tier innerhalb von etwa drei Stunden krank machen, verursachen meist Beschwerden, die von selbst abklingen. Zeigen sich die Anzeichen dagegen erst nach mehr als sechs Stunden, handelt es sich häufig um die lebensgefährlichen Sorten. Eine lange, beschwerdefreie Phase ist also kein gutes Zeichen, sondern genau das typische Muster der tödlichsten Arten.
Es gibt allerdings eine wichtige Einschränkung, die dieselbe Quelle nennt: Eine kurze Verzögerung ist keine Garantie für Ungefährlichkeit, denn ein Hund, der an einer Stelle mehrere Pilzarten aufgesammelt hat, kann harmlose und tödliche gleichzeitig gefressen haben. Frühes Erbrechen durch einen magenreizenden Pilz kann eine viel ernstere Vergiftung darunter verdecken.
Welche Herbstpilze sind wirklich tödlich?
Die Leberkiller: Knollenblätterpilz, Kegelhütige Wulstlinge und Nadelholz-Häubling
Amanita phalloides, der Grüne Knollenblätterpilz, ist weltweit die Art, die bei Menschen wie bei Tieren am häufigsten für tödliche Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Die Kegelhütigen Wulstlinge (Amanita ocreata, Amanita bisporigera), der Nadelholz-Häubling (Galerina marginata) sowie einige Schirmlings-Arten (Lepiota) enthalten dieselbe Giftklasse, die sogenannten Amatoxine. Der Knollenblätterpilz wächst unter Nadel- und Laubbäumen, besonders unter Eichen, im Spätsommer, Herbst und Winter. Der Nadelholz-Häubling gedeiht im Sommer und Herbst auf Moos und stark verrottetem Nadelholz.
Diese Gifte sind chemisch äußerst widerstandsfähig. Weder Hitze noch Magensäure können sie zersetzen, und schon ein einziger Pilz kann für einen Hund tödlich sein. Einmal aufgenommen, legen die Toxine die Proteinproduktion der Leberzellen lahm.
Der klinische Verlauf umfasst drei trügerische Phasen, beschrieben in einer begutachteten toxikologischen Übersichtsarbeit:
- Magen-Darm-Phase: Speicheln, Erbrechen, wässriger oder blutiger Durchfall und Bauchschmerzen, typischerweise beginnend 6 bis 24 Stunden nach der Aufnahme
- Scheinbare Erholung: Für etwa 12 bis 24 Stunden wirkt der Hund gebessert, während im Hintergrund die Leber weiter geschädigt wird
- Leber- und Nierenphase: Gelbsucht, Blutungen, niedriger Blutzucker, Verwirrtheit oder Kollaps, meist 36 bis 72 Stunden nach der Aufnahme, wobei ein Nierenversagen manchmal erst Tage später folgt
Bei Welpen kann der Verlauf deutlich schneller fortschreiten. Ein Fallbericht über einen zwölf Wochen alten Sheltie-Welpen beschreibt, wie sich Erbrechen und Durchfall zu Benommenheit und Kreislaufschock entwickelten, mit Tod innerhalb von rund einem Tag nach Klinikaufnahme, ausgelöst durch schweren Blutzuckerabfall. Gerade bei jungen Hunden solltest du nicht abwarten, wie sich die Lage entwickelt.
Fliegenpilz und Pantherpilz
Der bekannte rot-weiße Fliegenpilz (Amanita muscaria) und der braune, weiß gefleckte Pantherpilz (Amanita pantherina) enthalten Giftstoffe, die auf das Gehirn wirken. Laut Mercks Übersicht zu schnell wirkenden Pilzen beginnen die Symptome 30 bis 120 Minuten nach der Aufnahme und halten etwa 24 Stunden an: Orientierungslosigkeit, Wackeligkeit, verengte Pupillen, Kopfschiefhaltung oder Drehbewegungen, Zittern, Ruderbewegungen, Kaubewegungen und in schweren Fällen Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit.
Die meisten dieser Hunde erholen sich mit guter Pflege, trotzdem sind es keine harmlosen Fälle. Werden solche Pilze mit Beruhigungsmitteln oder anderen Wirkstoffen kombiniert, die das Nervensystem dämpfen, kann das beim Hund zum Atemstillstand führen, selbst bei normaler therapeutischer Dosierung. Gib einem betroffenen Hund niemals etwas aus deiner eigenen Hausapotheke, und erwähne den Pilzverdacht deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, bevor eine Sedierung erfolgt.
Muscarinhaltige Pilze
Risspilze (Inocybe) und Trichterlinge (Clitocybe) enthalten Muscarin, das das körpereigene Ruhe-und-Verdauungssystem überflutet. Bei Hunden setzen die Symptome meist innerhalb von 15 Minuten bis einer Stunde ein: Speicheln, tränende Augen, häufiges Urinieren, Durchfall, Erbrechen, verlangsamter Herzschlag, verengte Pupillen sowie geräuschvolle oder erschwerte Atmung durch vermehrte Schleimbildung in den Atemwegen. Für diese Symptome gibt es ein wirksames Gegenmittel, und betroffene Hunde erholen sich bei rechtzeitiger unterstützender Behandlung in der Regel gut.
Magic Mushrooms, Pilzprodukte und magenreizende Arten
Psilocybinhaltige Pilze verursachen Verhaltensänderungen, vermehrtes Lautgeben, geweitete Pupillen, Unsicherheit beim Gehen, erhöhte Körpertemperatur und gelegentlich Krampfanfälle, beginnend etwa 30 Minuten bis 3 Stunden nach der Aufnahme und andauernd über 6 bis 24 Stunden. Solche Vergiftungen passieren häufiger im Haus als im Garten, und die betroffenen Produkte haben sich verändert: Viele sind mittlerweile als Schokoriegel oder Gummibonbons im Umlauf, sodass ein Hund gleichzeitig mit einer Schokoladenvergiftung zu kämpfen haben kann. Bei nicht regulierten Produkten wurden zudem schon Wirkstoffe gefunden, die auf der Verpackung gar nicht angegeben waren.
Eine große Gruppe weiterer Pilzarten reizt lediglich den Magen-Darm-Trakt und verursacht Erbrechen und Durchfall, die innerhalb weniger Stunden einsetzen und sich über ein bis zwei Tage wieder legen. Zwei weitere Gruppen verdienen Erwähnung: Frühjahrslorcheln (Gyromitra-Arten) treten vor allem im Frühling auf und lösen meist Magen-Darm-Symptome aus, Nervensystem-Symptome sind selten. Schleierlinge (Cortinarius) schädigen die Nieren erst nach einer sehr langen Verzögerung von 3 bis 14 Tagen, wobei unabsichtliche Vergiftungen bei Hunden oder Katzen bislang nicht bestätigt wurden.
Warnzeichen: Wann sofort in die Tierklinik?
Jede bekannte oder auch nur vermutete Aufnahme eines Wildpilzes rechtfertigt einen Anruf. Fahr sofort und ohne Umwege in eine Klinik, wenn dein Hund eines der folgenden Anzeichen zeigt:
- Erbrechen oder Durchfall, der sechs oder mehr Stunden nach einer möglichen Pilzaufnahme beginnt, besonders wenn Blut zu sehen ist
- Gelbfärbung von Zahnfleisch, Augen oder Haut
- Kollaps, extreme Schwäche, oder ein Welpe, der teilnahmslos, kalt oder nicht mehr ansprechbar wird
- Krampfanfälle, Zittern, Ruderbewegungen, Kreisen, Kopfschiefhaltung, oder ein Hund, der zu halluzinieren scheint
- Erschwerte oder geräuschvolle Atmung, starker Speichelfluss und tränende Augen, oder ein verlangsamter Herzschlag
- Blutergüsse, blutendes Zahnfleisch, oder Blut im Erbrochenen oder Kot
- Jeder Hund, der sich nach pilzbedingtem Erbrechen zunächst erholt zu haben schien und dann erneut abbaut
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Die Verzögerung, bevor Anzeichen einer Lebervergiftung auftreten, vermittelt Hundehaltern eine trügerische Sicherheit, und ausgerechnet in dieser ruhigen Zwischenphase denken viele, alles sei in Ordnung.
Wie sieht die Behandlung in der Klinik aus?
Deine Tierärztin oder dein Tierarzt geht in der Regel davon aus, dass der Pilz giftig war. Je nach Zeitpunkt kann das bedeuten: Erbrechen auslösen bei einem noch gesunden Hund, wiederholte Gaben von Aktivkohle (Amatoxine gelangen über den Darm immer wieder in den Kreislauf zurück, weshalb mehrere Gaben helfen können), Infusionen, Mittel gegen Übelkeit, Überwachung von Blutzucker und Blutgerinnung sowie leberschützende Medikamente. Besteht der Verdacht auf eine Amatoxin-Vergiftung, kann ein kostengünstiger Schnelltest aus dem Urin diese Gifte frühzeitig nachweisen und die Behandlung steuern, noch bevor sich die Blutwerte verändern. Spezialisierte Zentren bieten mitunter auch Verfahren an, die Giftstoffe aus dem Blut herausfiltern, etwa den Plasmaaustausch.
Üblich ist eine stationäre Aufnahme für etwa 24 Stunden, die Entlassung mit einem leberunterstützenden Präparat, sofern Leber- und Nierenwerte zu diesem Zeitpunkt normal sind, sowie eine erneute Blutkontrolle etwa 48 Stunden später. Frag vor der Entlassung gezielt nach dieser Kontrolluntersuchung, denn genau eine verzögert auftretende Leberschädigung gilt es im Blick zu behalten.
Zur Einordnung des Risikos: Von knapp 5.000 Pilzvergiftungen, die einer großen Giftnotrufzentrale für Tiere über zehn Jahre gemeldet wurden, starb weniger als eines von 200 Tieren. Die Gefahr konzentriert sich stark auf die Amatoxin-Gruppe, weshalb frühes Handeln so entscheidend ist.
Wie lässt sich das künftig vermeiden?
- Kontrolliere deinen Garten nach warmen, feuchten Wetterphasen, in denen Pilze besonders schnell sprießen, und entferne oder entsorge alles, was du findest, bevor du deinen Hund hinauslässt
- Achte besonders auf Rasenflächen, Mulchbeete, morsches Holz und den Boden unter Eichen, Birken, Kiefern und anderen älteren Bäumen
- Führe Hunde, die gerne alles aufschnüffeln, im Herbst während der Pilzsaison im Wald an der Leine, und trainiere ein zuverlässiges „Aus“ oder „Lass es“
- Behandle jeden wild wachsenden Pilz als giftig, bis das Gegenteil erwiesen ist, auch wenn du sicher bist, dass er für Menschen essbar ist
- Bewahre gesammelte Pilze sowie alle Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Pilzanteil dort auf, wo dein Hund nicht herankommt
Das Wichtigste in Kürze
Ein Hund, der einen Wildpilz gefressen hat, braucht noch heute einen Anruf bei der Tierärztin oder dem Tierarzt, kein Abwarten. Sichere eine Probe, notiere die Uhrzeit, löse kein Erbrechen aus, außer du wurdest ausdrücklich dazu angewiesen, und behandle jedes Symptom, das erst nach mehr als sechs Stunden auftritt, als Notfall. Die meisten Fälle gehen gut aus. Die wenigen, bei denen das nicht so ist, sind fast immer die, bei denen ein ruhiger erster Tag fälschlich als gutes Zeichen gedeutet wurde.
Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt kann Alter, Größe und Zustand deines Hundes einschätzen und ist die richtige Ansprechperson für die weiteren Schritte.


