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Eine Katze, die friedlich schläft und dabei von der Sonne angestrahlt wird

Hundeflohmittel bei der Katze: Warum Permethrin so gefährlich ist

Spot-on-Präparate für Hunde können bis zu 60 % Permethrin enthalten, eine Dosis, die Katzen innerhalb von Stunden vergiftet. Erfahre, warum das so ist, welche Frühwarnzeichen es gibt und welche Erste-Hilfe-Schritte Leben retten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wende niemals ein Hundeflohmittel bei einer Katze an, egal wie groß die Katze oder wie klein die Dosis ist
  • Hunde-Spot-ons können 45 bis 60 % Permethrin enthalten, für Katzen zugelassene Produkte weniger als 0,1 %
  • Die Symptome sind meist neurologisch: Zucken an Ohren und Gesicht, Zittern am ganzen Körper, Speicheln, Wackeligkeit, Krampfanfälle
  • Die meisten Katzen zeigen Symptome innerhalb weniger Stunden, der Beginn kann sich aber bis zu 24 Stunden oder länger verzögern
  • Ruf bei Kontakt sofort deine Tierärztin oder deinen Tierarzt an und wasche deine Katze mit lauwarmem Wasser und Spülmittel
  • Halte Katzen 72 Stunden von einem mit Permethrin behandelten Hund fern, auch kein gemeinsames Körbchen und kein gegenseitiges Putzen

Wenn dir gerade der Flohschutz für deine Katze ausgegangen ist und im Schrank noch eine übrige Spot-on-Pipette vom Hund steht, ist die Antwort kurz: Nein, du darfst Hundeflohmittel niemals bei einer Katze anwenden. Viele Spot-on-Präparate für Hunde enthalten Permethrin, und dieser Wirkstoff ist für Katzen ein Nervengift, das Zittern, Krampfanfälle und im schlimmsten Fall innerhalb weniger Stunden den Tod verursachen kann. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Katzen so empfindlich reagieren, wie du eine Permethrin-Vergiftung frühzeitig erkennst und was in den ersten zehn Minuten zu tun ist, falls es bereits passiert ist.

Das gilt auch, wenn du das Flohmittel des Hundes nie selbst angefasst hast. Katzen vergiften sich auch indirekt, etwa wenn sie sich an einen frisch behandelten Hund kuscheln oder ihn putzen, oder über Insektizide im Haushalt. Die Warnzeichen zu kennen kostet dich nur ein paar Minuten, kann aber entscheidend sein.

Warum ist Hundeflohmittel für Katzen so gefährlich?

Permethrin ist ein synthetisches Pyrethroid, also ein im Labor hergestellter Verwandter des natürlichen Insektizids aus Chrysanthemenblüten. Es tötet Flöhe und Zecken, indem es die Natriumkanäle der Nervenzellen blockiert, sodass die Nerven immer wieder feuern.

Hunde vertragen das gut. Katzen nicht, und das hat zwei Gründe.

  • Der Leberunterschied: Katzen können die sogenannte Glukuronidierung, eine der wichtigsten chemischen Reaktionen, mit denen der Körper Giftstoffe für die Ausscheidung aufbereitet, nur eingeschränkt durchführen. Permethrin und seine Abbauprodukte reichern sich im Körper an, statt abgebaut zu werden, und da sie sich gut in Fett lösen, gelangen sie ins Gehirn und lagern sich im Nervengewebe an.
  • Der Konzentrationsunterschied: Laut der American Association of Feline Practitioners enthalten Spot-on-Präparate für Hunde typischerweise 45 bis 60 % Permethrin, während für Katzen zugelassene Produkte unter 0,1 % enthalten. Das ist kein kleiner Unterschied. Schon eine einzige Pipette, gedacht für einen 4 bis 10 kg schweren Hund, hat bei Katzen bereits Krampfanfälle ausgelöst.

Deshalb funktioniert die Überlegung „Meine Katze ist ja groß genug" nicht. Eine Hundedosis zu teilen, „nur ein bisschen" zu verwenden oder zu denken, die eigene 6-kg-Katze sei schließlich größer als ein Chihuahua, macht ein 50%iges Permethrin-Präparat nicht sicherer. Für Katzen gibt es keine sichere Dosis von konzentriertem Permethrin.

Eine Permethrin-Vergiftung ist auch kein seltener Ausnahmefall. Das ASPCA Animal Poison Control Center zählt sie zu den häufigsten Vergiftungen bei Katzen, und der britische Vergiftungsnotdienst für Tiere (Veterinary Poisons Information Service) führt sie unter den am häufigsten angefragten Giftstoffen.

Wie kommen Katzen mit Permethrin in Kontakt?

Der naheliegendste Weg ist die direkte Anwendung durch eine Besitzerin oder einen Besitzer, die oder der das Risiko nicht kennt, oder die versehentliche Verwechslung der Pipette in einem Mehrtierhaushalt. Es gibt aber noch andere Wege.

  • Putzen, Lecken oder Kuscheln mit einem Hund, der kürzlich ein Permethrin-Spot-on bekommen hat, bevor das Mittel getrocknet und eingezogen ist
  • Schlafen im Körbchen des behandelten Hundes oder auf Decken, an denen Wirkstoff haftet
  • Flohshampoos, -bäder, -puder, -sprays und -halsbänder, die für Hunde bestimmt sind
  • Insektizide im Haus und Garten: Raumsprays, Ameisen- und Wespenpulver, Vernebler ("Flohbomben"), manche Steckdosen- und Außenprodukte gegen Insekten
  • Kauen oder Lecken an einer Spot-on-Pipette, oder Ablecken der Applikationsstelle beim Hund

Produkte für den Haushalt sind meist deutlich schwächer konzentriert als Hundespot-ons und lösen seltener das volle Vergiftungsbild aus, aber eine Katze, die durch frisch versprühte Flüssigkeit läuft und sich danach putzt, kann trotzdem eine relevante Menge aufnehmen. Halte Katzen von behandelten Räumen fern, bis alle Flächen trocken sind und gut gelüftet wurde.

Woran erkenne ich eine Permethrin-Vergiftung bei Katzen?

Die Symptome betreffen das Nervensystem und verschlimmern sich meist zunehmend. Achte auf:

  • Zucken an Ohren, Gesicht, Augenlidern oder der Haut am Rücken
  • Muskelzittern, das als feines Beben beginnt und sich zu Zittern am ganzen Körper steigert
  • Speicheln oder Schaum vor dem Maul
  • Wackeliger, unsicherer Gang oder Umfallen
  • Geweitete Pupillen
  • Unruhe, ungewöhnliche Lautäußerungen, oder auch das Gegenteil: Verstecken und teilnahmslose Stimmung
  • Extreme Empfindlichkeit gegenüber Berührung, Licht oder Geräuschen
  • Erbrechen oder Verweigerung von Futter
  • Schnelle Atmung
  • Krampfanfälle, Kollaps, Koma

Zittern und Krämpfe erzeugen Wärme, deshalb bekommen betroffene Katzen oft hohes Fieber. Die normale Rektaltemperatur einer Katze liegt bei etwa 38,0 bis 39,2 °C; anhaltendes Zittern kann sie deutlich über 40 °C treiben, was zusätzlich Muskeln und Organe schädigen kann. Manche Katzen kühlen dagegen zu stark aus, und eine niedrige Körpertemperatur verstärkt die Giftwirkung noch.

Wie schnell zeigen sich die Symptome?

Meist innerhalb weniger Stunden nach dem Kontakt. Fachquellen beschreiben einen Beginn zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden, in manchen Fällen verzögert um 12 bis 24 Stunden, gelegentlich sogar erst nach 72 Stunden. Die wichtige Botschaft daraus: Eine Katze, die zwei Stunden nach dem Kontakt noch munter wirkt, ist nicht aus dem Schneider. Ruf trotzdem deine Tierärztin oder deinen Tierarzt an und beobachte sie über Nacht genau weiter.

Was tue ich sofort, wenn Hundeflohmittel auf meine Katze gelangt ist?

Behandle das als Notfall, auch ohne bisherige Symptome.

  1. Ruf sofort deine Tierärztin, deinen Tierarzt oder die nächste Notfallklinik an: Sag ihnen, welches Produkt, ungefähr wie viel und wann. Frag, ob du erst zu Hause waschen sollst oder direkt kommen sollst. Sie beurteilen das je nachdem, wie lange es her ist, wie es deiner Katze geht, und wie weit du entfernt bist.
  2. Wasch das Mittel mit lauwarmem Wasser und Spülmittel ab: Permethrin-Spot-ons sind ölig, reines Wasser bekommt sie nicht ab. Ein mildes Geschirrspülmittel oder Handseife wirkt besser als Tiershampoo. Wasche großzügig über die Applikationsstelle und überall dort, wo das Mittel verteilt sein könnte, und spüle gründlich nach.
  3. Achte auf die richtige Wassertemperatur: Nur lauwarm. Heißes Wasser weitet die Hautgefäße und beschleunigt die Aufnahme des Giftes, kaltes Wasser kann deine Katze auskühlen, und Kälte verstärkt die Vergiftung. Trockne sie danach gründlich mit Handtüchern ab und halte sie warm.
  4. Lass sie sich die Stelle nicht ablecken: Auch nach dem Waschen solltest du das Belecken auf dem Weg zur Klinik verhindern.
  5. Löse kein Erbrechen aus und gib keine Hausmittel: Kein Salz, kein Wasserstoffperoxid, keine Milch, keine Medikamente für Menschen. Nichts über das Maul, außer deine Tierärztin oder dein Tierarzt weist dich ausdrücklich dazu an.
  6. Nimm die Verpackung oder ein Foto der Inhaltsstoffliste mit: So weiß das Team genau, um welche Verbindung und Konzentration es geht, das beeinflusst die Behandlung.
  7. Halte alles ruhig: Gedämpftes Licht, wenig Lärm, so wenig Handhabung wie möglich. Reize können bei einer bereits betroffenen Katze Zittern auslösen.
  8. Zeigt deine Katze bereits Zittern oder Krämpfe, lass das Bad weg und fahr sofort los: Eine Katze mit ausgeprägten Symptomen braucht zunächst Medikamente gegen das Zittern, bevor sie sicher gewaschen werden kann. Ruf vorher an, damit man dort vorbereitet ist.

Lebt im Haushalt ein behandelter Hund, trenne die Tiere sofort voneinander und wasche gemeinsam genutzte Decken oder Körbchen.

Wann solltest du die Tierärztin oder den Tierarzt rufen?

Ruf sofort an, noch bevor Symptome auftreten, wenn eines davon zutrifft:

  • Ein Floh- oder Zeckenmittel für Hunde wurde bei deiner Katze angewendet, egal in welcher Menge
  • Deine Katze hat an einer Spot-on-Pipette geleckt oder gekaut, oder die Applikationsstelle bei einem behandelten Hund abgeleckt
  • Deine Katze hatte in den letzten 72 Stunden engen Kontakt zu einem behandelten Hund
  • Deine Katze ist durch ein Haushalts- oder Garteninsektizid gelaufen oder wurde damit besprüht

Fahr sofort und als Notfall, wenn du eines dieser Warnzeichen bemerkst:

  • Muskelzittern oder Beben irgendwo am Körper
  • Ein Krampfanfall oder wiederholte Anfälle
  • Kollaps, fehlende Reaktion oder Unfähigkeit zu stehen
  • Anhaltendes Speicheln mit Zucken im Gesicht oder an den Ohren
  • Angestrengte oder sehr schnelle Atmung
  • Eine erkennbar abnormale Körpertemperatur: sie fühlt sich an Ohren und Pfoten heiß an, oder ungewöhnlich kalt

Ein Gegenmittel gegen Permethrin gibt es nicht. Die Behandlung besteht aus Entgiftung und unterstützender Therapie, und das funktioniert gut, aber nur, wenn früh genug damit begonnen wird, bevor sich die Vergiftung festsetzt.

Was macht die Tierärztin oder der Tierarzt?

Die Diagnose stützt sich meist auf die Vorgeschichte und das klinische Bild. Bluttests auf Permethrin sind praktisch nicht durchführbar, und selbst ein positives Ergebnis würde nur den Kontakt bestätigen, nicht die Schwere der Vergiftung.

Die Behandlung umfasst typischerweise:

  • Zuerst Stabilisierung: intravenöse Muskelrelaxantien wie Methocarbamol gegen das Zittern, sowie krampflösende Medikamente, Beruhigungsmittel oder eine Vollnarkose (häufig mit Propofol), falls die Krämpfe anhalten
  • Gründliche Reinigung, bei starker Verunreinigung auch das Scheren des Fells, sobald die Katze stabil genug ist, um gehandhabt und gebadet zu werden
  • Infusionen, engmaschige Temperaturkontrolle, Überwachung des Blutzuckers und Pflege in einem ruhigen, abgedunkelten Käfig
  • In manchen Fällen eine intravenöse Fettinfusion (Lipidemulsion). Da Permethrin fettlöslich ist, kann eine sterile Fettlösung den Wirkstoff aus dem Gewebe herausziehen. Eine Fallserie mit neun permethrinvergifteten Katzen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Toxics, berichtete von rascher Erholung und Entlassung nach 24 bis 54 Stunden, nachdem die Lipidinfusion zur üblichen Behandlung ergänzt wurde. Die Datenlage ist noch begrenzt, daher ist das eher eine Einzelfallentscheidung der behandelnden Tierärztin oder des Tierarztes als ein Standardschritt

Die meisten Katzen, die rasch behandelt werden, erholen sich vollständig innerhalb von ein bis drei Tagen, ohne bleibende neurologische Schäden. Die Prognose ist wirklich gut, wenn die Behandlung früh beginnt. Deutlich schlechter sieht es aus, wenn sie verzögert einsetzt oder die Krämpfe schwer zu kontrollieren sind: In der tiermedizinischen Fachliteratur werden Sterblichkeitsraten von etwa 10 bis 40 % genannt, wobei die Todesfälle sich vor allem bei Katzen häufen, die zu spät in Behandlung kamen.

Bitte deine Tierärztin oder deinen Tierarzt, den Fall dem Hersteller und der zuständigen Arzneimittelbehörde zu melden. Nur so werden Warnhinweise verbessert.

Wie beuge ich das in einem Haushalt mit Hund und Katze vor?

  • Kauf das Flohmittel für deine Katze bei deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, oder lies zumindest jedes Wort auf der Packung: Alles, wo „nur für Hunde" steht oder Permethrin, Deltamethrin, Cypermethrin oder Phenothrin aufgeführt ist, ist für Katzen tabu. International Cat Care ist da eindeutig: Wende niemals ein Flohmittel, das für Hunde formuliert ist, bei einer Katze an.
  • Wähl für deinen Hund ein permethrinfreies Produkt, wenn du auch eine Katze hast: Es gibt viele wirksame Floh- und Zeckenmittel für Hunde ganz ohne Pyrethroide. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt kann dir eines empfehlen, damit ist das Risiko komplett aus dem Weg geräumt.
  • Bekommt dein Hund trotzdem ein Permethrin-Präparat, halte die Tiere 72 Stunden voneinander getrennt: Kein gemeinsames Körbchen, kein gegenseitiges Putzen, kein Aneinanderkuscheln. Das ist der Zeitraum, den International Cat Care empfiehlt.
  • Lagere Tiermedikamente getrennt: Anderes Regal, andere Box, Katzenprodukte klar beschriftet. Die meisten Unfälle passieren in Eile.
  • Improvisiere niemals mit Dosierungen: Teile keine Hundepipette auf, verwende kein zurechtgeschnittenes Hundehalsband und gib niemals „die halbe Dosis" von irgendetwas einer Katze.
  • Überprüfe deine Haushaltsprodukte: Lies die Etiketten von Raumsprays, Verneblern, Ameisenpulver und Gartenschädlingsmitteln, und halte deine Katze aus behandelten Bereichen fern, bis alles trocken und gut gelüftet ist.
  • Behandle Flöhe gründlich, aber nicht in Panik: Ein großer Teil jedes Flohproblems steckt in der Wohnung, nicht am Tier selbst, deshalb ist die Behandlung der Umgebung genauso wichtig wie die des Tieres. Bei Kätzchen ist besondere Vorsicht geboten: Starker Flohbefall kann lebensbedrohliche Blutarmut verursachen, und viele Produkte sind unter einem bestimmten Alter oder Gewicht ungeeignet. Hol dir tierärztlichen Rat, statt einfach das zu nehmen, was gerade im Schrank steht.

Das Wichtigste in Kürze

Eine einzige Pipette, die eigentlich für den Hund gedacht war, kann eine Katze auf die Intensivstation bringen. Ist es bereits passiert, warte nicht auf Symptome: Ruf deine Tierärztin oder deinen Tierarzt an, wasche deine Katze mit lauwarmem Wasser und Spülmittel, und fahr in die Praxis. Katzen, die innerhalb der ersten Stunden behandelt werden, verlassen die Klinik meist schon nach ein paar Tagen wieder gesund. Diejenigen, denen es schlecht ergeht, sind fast immer die, deren Besitzerinnen und Besitzer erst abgewartet haben, ob es von selbst vorbeigeht.

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Untersuchung deiner Katze. Bei jedem Verdacht auf Kontakt mit Permethrin solltest du noch am selben Tag mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt sprechen.